Ich habe große Sorgen – wo finde ich vertrauenswürdigen Rat und Hilfe?

Kinder und Jugendliche – Seelische Probleme, Ängste und Perspektiven

Dies ist ein Überblick, der dir die Bandbreite des Themas Seelische Probleme, Ängste und Perspektiven veranschaulichen soll. Wenn Du aber gleich zum umfassenden Themenkreis Kinder und Jugendliche mit seinen vielen Stichworten gehen und dabei zusätzlich gute Links und Link- Beschreibungen mit Hilfe-Tipps und -Angeboten finden willst, klick bitte hier

Ich bin so traurig

Trauer ist eines der intensivsten Gefühle, die ein Mensch haben kann. Trauer kann viele verschiedene Gründe haben. Vielleicht ist etwas Furchtbares passiert. Auch Einsamkeit, Streit oder Trennung kann einen Menschen sehr traurig machen. Und manchmal weiß man gar nicht genau, warum man so traurig ist. Es ist gut, Trauer zuzulassen und auch zu weinen. Manchmal möchte man dabei alleine sein und gar nicht drüber reden. Aber oft hilft es sehr, wenn du in den Arm genommen wirst, dir jemand zuhört, oder wenn du deine Geschichte mit jemandem teilen kannst, der sie versteht, der vielleicht selber etwas ähnliches schon erlebt hat, oder der einfach nur zuhört.

Besonders, wenn dich die Trauer nicht loslässt, solltest du dir unbedingt jemandem zum Reden suchen – für Trauer sollte man sich niemals schämen. Wenn du mit niemanden aus deiner Familie oder aus deinem Freundeskreis reden kannst, oder wenn es dir einfacher fällt, erstmal anonym über deine Gefühle zu sprechen, kannst du dich an eine Telefon- oder Online-Beratung wenden.

Wenn du dich häufig niedergeschlagen, verzweifelt oder leer fühlst, kann der Grund auch eine Depression sein. Dagegen kann – und muss – man etwas tun: Es ist sehr wichtig, dass du dich in diesem Fall von Fachleuten beraten lässt. Auch hier hilft z.B. eine Telefon- oder Onlineberatung weiter, um die richtigen Ansprechpartner/-innen zu finden. Oder du sprichst deinen Hausarzt/deine Hausärztin an.

Ich verletze mich selbst / ritze mich

Selbstverletzungen wie sogenanntes Ritzen sind nicht selten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Meistens tritt der Drang, sich selbst wehzutun, bei großer emotionaler Belastung und Stress auf. Das Verlangen kann zur Sucht werden, und die Betroffenen leiden oft unter den Narben, die sie sich selbst zufügen. Eine psychologische Beratung und Therapie kann helfen, sowohl die Ursachen für das selbstverletzende Verhalten zu verstehen als auch Methoden zu lernen, anders mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Du kannst dich an ein Hilfetelefon oder eine Online-Beratung wenden, um weitergehende Hilfe zu finden. Auch das Hilfetelefon zur Suchtvorbeugung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann bei der Suche nach einer geeigneten Beratungsstelle vor Ort helfen. Du kannst dich auch direkt an den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst an deinem Wohnort wenden; leider gibt es hierfür keine bundesweite Liste, aber du kannst die Kontaktadressen im Internet finden.

Ich bin in Trauer

Die Trauer um einen geliebten Menschen ist verbunden mit starken Gefühlen, die überwältigend sein können. Nicht selten fühlen sich trauernde Menschen von ihrer Umwelt nicht verstanden oder allein gelassen. Zu der Traurigkeit kommen oft auch Gefühle der Einsamkeit und Verzweiflung, manchmal sogar Wut. All diese Gefühle sind normal, aber dennoch nicht leicht zu ertragen. Es ist gut zu wissen, dass es leichter werden wird – auch wenn es sich im Moment noch nicht so anfühlt. Es kann helfen, sich mit Menschen auszutauschen, die Ähnliches erlebt haben.

Wichtig ist: Jeder Mensch hat seine eigene Art zu trauern, und jeder Mensch braucht seine eigene Zeit – da gibt es kein richtig oder falsch. Es ist sehr wichtig, sich selbst diese Zeit zuzugestehen. Es ist aber auch wichtig, sich selbst zu erlauben, das eigene Leben zu leben – und auch, daran wieder Freude zu haben. Wenn du das Gefühl hast, aus deiner Trauer nicht mehr herauszufinden, wenn du auch nach längerer Zeit dich immer noch von allem abgeschnitten fühlst und dich über nichts mehr freuen kannst, oder wenn du dich furchtbar einsam fühlst, such dir unbedingt jemanden, mit dem du reden kannst – eventuell auch über ein Hilfstelefon oder Online-Angebot. Es gibt Selbsthilfegruppen für „Trauerarbeit“ und psychologische Unterstützung für Trauernde, auch speziell für Jugendliche und Kinder. Trau dich, danach zu fragen und dich beraten zu lassen.

Ich habe Selbstmordgedanken

Wenn du über Selbstmord nachdenkst, suche auf jeden Fall Hilfe, und zwar so schnell wie möglich. Sprich über deine Gefühle. Wende dich an eine Beratungsstelle. Hier wird dir zugehört, und deine Gefühle werden ernstgenommen. Die Telefonseelsorge kannst du sogar rund um die Uhr anrufen. Übrigens kannst du dich an diese Beratungsstellen auch wenden, wenn du dir Sorgen über einen Freund oder eine Freundin machst. In akuten Fällen wähle 112! Außerdem haben auch die Kinder- und Jugendpsychiatrien Notfallaufnahmen, wo man rund um die Uhr Hilfe findet – die Adressen der nächstgelegenen Klinik findest du im Internet.

Ich schäme mich so sehr

Scham ist ein Gefühl, das wohl jeder kennt. Wir schämen uns, wenn wir denken, wir haben etwas falsch gemacht, oder wenn wir uns unzulänglich oder bloßgestellt fühlen. Das ist völlig normal, schon kleine Kinder schämen sich. Durch Scham lernen wir die Regeln, die in einer Gemeinschaft gelten. Aber Scham kann auch zu einem großen Problem werden. Zum Beispiel, wenn wir uns für Dinge schämen, für die wir gar nichts können, wie zum Beispiel unser Aussehen oder für unsere Familie. Oder wenn wir uns schämen, weil wir uns schwach fühlen; weil wir uns nicht gegen jemanden wehren konnten. Wenn wir uns so sehr schämen, dass wir uns selbst nicht mehr mögen. Und wenn wir uns vor Scham nicht trauen, Fehler zuzugeben oder uns Hilfe zu holen. Wenn du dich aus Scham nicht traust, bestimmte Dinge anzusprechen, kann es helfen, erst einmal mit jemandem von außerhalb zu sprechen, der dir zuhört und dich nicht verurteilt. Bei Sorgentelefonen und Online-Beratungen musst du noch nicht einmal deinen Namen nennen und alles, was du sagst, wird vertraulich behandelt werden.

Ich habe keine Perspektive / ich habe Zukunftsängste

Heute gewinnen Zukunftsangst und Perspektivlosigkeit bei immer mehr Jugendlichen an Gewicht. Das geschieht in einer Phase, nachdem Generationen von Jugendlichen in Europa 75 Jahre lang weitgehend von Krieg verschont geblieben waren und eigentlich, abgesehen von Dellen, nur Aufschwung erlebt hatten. Die Globalisierung hatte die Sicherheit, in der sie lebten, nur unwesentlich beeinträchtigt.

Dies hat sich jetzt gravierend und rapide geändert. Zur Unsicherheit tragen nicht nur die aktuellen Krisen wie Klimakrise, Corona oder der Ukraine- Krieg samt ihren Folgen bei, sondern auch andere Faktoren: Heute kann z. B. niemand mehr sicher sein, den erlernten Beruf selbst mit Fortbildungen bis ans Lebensende ausführen zu können. Die Globalisierung und der technische Fortschritt schaffen neue Strukturen und löschen Branchen auch in Deutschland teilweise aus. Dies sind nur Beispiele, die zu Unsicherheit führen.

Unsicherheit schafft Zukunftsängste und Perspektivlosigkeit. Sie zu leugnen, wäre falsch. Man kann diesen Ängsten einerseits mit Psychotherapie oder einer guten anderen Beratung begegnen. Man kann sich aber auch die Unsicherheiten in aller Deutlichkeit ungeschminkt vor Augen führen und der die Vorteile und Innovationen entgegensetzen, die die letzten Jahre gebracht haben, zum Beispiel Internet, großartige Veränderungen bei Medikamenten zur Verhinderung von Krankheiten (Krebsarten) sowie die Elektromobilität und zahlreiche erfolgreiche Startups. Führt man sich vor Augen, dass diese Kette von Innovationen längst nicht zu Ende sein muss, dann wird einem um die Zukunft schon weniger bang. Eine große Anstrengung nicht nur der jungen Generation ist dafür aber nötig.

Ich fühle mich wertlos

Kein Mensch ist wertlos. Es kann zwar manchmal sein, dass du dich so fühlst, aber das stimmt nicht. Jeder Mensch hat viele Eigenschaften und Werte, äußere und innere. Nicht alle sind positiv. Wenn dir jemand gesagt hat oder du selbst findest, dass du wertlos bist, dann sind nur einige wenige Eigenschaften herausgepickt worden, bei denen du vielleicht wirklich nicht gut wegkommst. Ja und? Es gibt mit Sicherheit viele andere Dinge, bei denen du hervorragend bist und auf die du stolz sein kannst.

In vielen Lebensphasen und Situationen kann man schon kurze oder lange Zeit verzweifeln oder sich wertlos fühlen: Die Clicque, in die du so gerne möchtest, will dich nicht – deine Mitschüler und Mitschülerinnen mobben dich so, dass du nicht mehr weißt, was hinten und vorne ist – dein/e Freund/in hat dich verlassen – deine Eltern sagen dir, dass du zu nichts nutze bist – und, und, und. Mag sein, dass du etwas verbockt hast – dann solltest du versuchen, es besser zu machen. Aber häufig weißt du nicht, was du anders und besser machen könntest. Dann hilft nur eines: Erst einmal einige Tage tief durchpusten und dann, unabhängig von der schlimmen Situation, überlegen, was du richtig gut kannst. Das hilft zwar nicht unmittelbar weiter, aber es stärkt das Selbstwertgefühl, und du fühlst dich nicht mehr total wertlos. Darauf kannst du aufbauen, und vielleicht tritt die schlimme Situation in den Hintergrund. Es kann aber auch sein, dass es misslingt. Dann solltest du eine neutrale, gutmeinende Vertrauensperson fragen – die sehen häufig positive Eigenschaften in dir, die du noch gar nicht entdeckt hast. Als Alternative kannst du dich natürlich auch an die Notrufnummern wie zum Beispiel die Nummer gegen Kummer wenden.

Angst vor Prüfungen und Versagen

Wohl jeder ist vor Klassenarbeiten und Prüfungen ein bisschen nervös, aber manchmal kann Prüfungsangst geradezu lähmend sein. Die Angst, zu versagen, kann dazu führen, dass man sich tatsächlich plötzlich an das Gelernte nicht mehr erinnert. Auch körperliche Symptome und Pankikattacken können auftauchen.

Es gibt Wege, mit diesen Ängsten besser klarzukommen, und vielleicht auch zu erfahren, warum du dir selbst so viel Druck machst. Du solltest versuchen, Deine Prüfungsangst mit deinen Lehrern / Lehrerinnen zu besprechen. Auch Beratungsstellen können dir Tipps geben. Vielleicht ist auch eine schulpsychologische oder andere psychotherapeutische Beratung ratsam.

Wenn du eine Ausbildung oder ein Studium ins Auge gefasst hast und plötzlich nicht mehr weißt, ob du das schaffst, ist es auch möglich, dass du nicht alle Informationsquellen ausgeschöpft hast. Wenn du viele Fakten kennst und die in Einzelpunkte aufgeteilt hast und die Stück für Stück abgearbeitet hast, bist du vielleicht schon ein bisschen schlauer. Du kannst dann auch eine Vertrauensperson fragen, ob er oder sie deine Schwächen und Stärken ähnlich sieht wie du. Daneben gibt es auch viele andere psychotherapeutische Beratungsstellen, zum Beispiel bei den meisten Studentenwerken.

Große Schulden

Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene verschulden sich. U.a. teure Handyverträge, die Möglichkeit, unkomplizierte Ratenverträge für Kleidung, Autos oder die erste Wohnungsausstattung abzuschließen, Internet-Abos und in manchen Fällen auch Spiel- oder Drogensucht führen dazu, dass sich junge Leute finanziell übernehmen. Unseriöse Kredite, wie sie oft in den sozialen Medien beworben werden, können den Schuldenberg noch weiter wachsen lassen. Wenn dir die monatlichen Ratenzahlungen über den Kopf wachsen, wende dich auf jeden Fall an eine seriöse Beratungsstelle. Diese findest du unter anderem auf den Behörden-Portalen deiner Stadt oder Kommune. U. a. bieten die Verbraucherzentralen, das Deutsche Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas und die Diakonie Schuldnerberatungen an.

Eingliederungshilfen bei seelischer Behinderung

Kinder, Jugendliche und auch junge Erwachsene mit einer seelischen Behinderung haben unter Umständen Anspruch auf sogenannte Eingliederungshilfen, die sie an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unterstützen sollen, und zwar sowohl im Kindergarten und in der Schule, in der Ausbildung und im Beruf als auch in ihrer Freizeit und in ihrem familiären Umfeld. Ziel ist es, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung im Alltag zu fördern. Als seelische Behinderung gelten langfristige psychische Erkrankungen oder Verhaltensstörungen wie z. B. Autismus, Essstörungen, Depressionen, ADHS oder Psychosen. Anders als z. B. bei körperlichen Behinderungen ist für den Antrag auf diese Eingliederungshilfen das Jugendamt zuständig. Es ist sinnvoll, sich schon vor der Antragsstellung beraten zu lassen, und zwar bei einer sogenannten „Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung“ (EUTB).

Weitere Informationen zum Thema:

Neben den genannten finden sich in den Bereichen Kinder und Jugendliche: „Seelische Probleme“ sowie „Ängste – Perspektiven – Kulturelles“ folgende Sichworte mit ausführlichen Beschreibungen:

  •  Ich weiß nicht mehr weiter
  • Jugend- und Kinderarmut
  • Wohnungslosigkeit / drohende Obdachlosigkeit
  • Probleme mit neuer Kultur / Integrationsprobleme
  • Zu keinem Beruf habe ich richtig Lust
  • Geringe Sprachkenntnisse
  • Ich habe die Schule / Ausbildung abgebrochen
  • Wie zu allen Stichworten, findest du hier auch eine Anzahl hilfreicher, kommentierter Link. Für weitere Informationen zu verschiedenen seelischen Krisensituationen kannst du dich auch im Themenkreis“Lebenskrisen aller Art“ umsehen.
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