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Hilfe bei existentiellen Gesundheitsfragen – Hauptkrankheiten und alters- und geschlechtsspezifische Krankheiten

Dieser Überblick soll Ihnen die Bandbreite des Themas „Hauptkrankheiten und alters- und geschlechtsspezifische Krankheiten“ mit Stichwörtern wie Krebs, Schlaganfall, Herzinfarkt, Demenz oder HIV veranschaulichen. Wenn Sie aber gleich zum umfassenden Themenkreis Hilfe bei existentiellen Gesundheitsfragen mit seinen vielen Stichworten gehen und dabei zusätzlich gute Links und Link- Beschreibungen mit Hilfe-Tipps und -Angeboten finden wollen, klicken Sie bitte hier

Krebs

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 500.000 Menschen neu an Krebs. Dazu gehören z. B. Brust-, Prostata-, Darm- oder Lungenkrebs mit jeweils mehr als 50.000 Neuerkrankungen. Daneben gibt es je nach Zählart zwischen 200 und 500 seltene Krebserkrankungen wie z. B. Speiseröhrenkrebs und Schilddrüsenkrebs, die insgesamt etwa 20% der Krebserkrankungen ausmachen. Krebs kann jeden Menschen treffen – zwar steigt das Risiko speziell bei Seniorinnen und Senioren sehr stark an, aber auch Babys können, wenn auch sehr selten, an Krebs erkranken.

Krebs ist eine Erkrankung, die an vielen Stellen des Körpers stattfinden kann. Körperzellen verändern sich so zum Negativen, dass sie ihre eigentliche Funktion nicht mehr wahrnehmen. Sie vermehren sich meist unkontrolliert, dringen in gesundes Gewebe ein, bilden die sogenannten Tumoren mit der Folge, dass es nicht mehr richtig arbeitet. Es gibt gutartige und bösartige Tumoren. Die gutartigen wachsen langsam und sind durch Einkapselung vom umliegenden Gewebe gegrenzt. Die gutartigen Tumoren bezeichnet man nicht als Krebs im Gegensatz zu den bösartigen: Diese wuchern unkontrolliert, zerstören umliegende Zellen und können die sogenannten Metastasen bilden – Krebszellen, die sich aus dem ursprünglichen Tumor gelöst haben, wandern, in andere Körperregionen eindringen und dort bösartige Geschwulste bilden. Die bösartigen Tumoren werden als Krebs bezeichnet.

Auch wenn die Zahl der an Krebs Gestorbenen weiterhin hoch ist, so gibt es doch ein Licht am Horizont: Die Krebsforschung hat sowohl in der Diagnostik als auch in der Behandlung von Krebserkrankungen in den letzten 20 Jahren große Fortschritte gemacht, Es gibt neu entwickelte und ausgefeilte moderne Operations- und Bestrahlungsverfahren sowie innovative Medikamente. Die Fortschritte sind aber bei den einzelnen Krebsarten unterschiedlich. Die Menschen leben nach der Krebsdiagnose deutlich länger, die Diagnostik ist differenzierter, die Verträglichkeit von Krebsmedikamenten ist oft besser geworden – diese Entwicklung setzt sich fort. Das ändert nichts an der Tatsache, dass bei der wissenschaftlichen Erforschung der Krebsursachen und -behandlungsmethoden noch viel im Dunkeln liegt. Dies betrifft zum Teil auch die Langzeit- und Spätfolgen innovativer Therapieverfahren.

Es bestehen allerdings gut abgesicherte Hypothesen über Risikofaktoren. Eine betrifft das Erbgut: Krebs könnte bei manchen Menschen erblich sein, aber auch bei der Zellteilung, die im Körper permanent stattfindet, kann es gelegentlich zu bösartigen Mutationen kommen. Für ein intaktes Immunsystem ist das in der Regel kein Problem – wenn nicht, können Krebszellen entstehen. Andere Risikofaktoren sind ein Spiegelbild der Vorschläge, die für die Krebsvorbeugung gemacht werden, also z. B. Rauchen oder Übergewicht.

Krebsvorsorge besteht aus zwei wesentlichen Elementen: Einerseits der generellen Krebsvorbeugung, andererseits den Krebsvorsorgeuntersuchungen. Zur Vorbeugung gegen fast alle Krebs-Erkrankungen eignen sich folgende einfach zu realisierende Vorschläge: Einen gesunden Lebensstil pflegen – z. B. regelmäßige Bewegung / Sport, kein Übergewicht, gesunde ausgewogene Ernährung (u. a. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse. Fett und Zucker reduzieren, möglichst wenig industriell verarbeitetes Fleisch und rotes Fleisch sowie salz- und übermäßig zuckerhaltige Lebensmittel essen, weder passiv noch aktiv rauchen, möglichst wenig Alkohol, Umweltgifte meiden, auch bei der Arbeit, vor zu viel Sonne schützen, Stress vermeiden. Ebenfalls gut wäre eine Impfung gegen Hepatitis B.

Bei den Krebsvorsorgeuntersuchungen ist die Lage etwas unübersichtlich, zumindest was die Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen betrifft. Hier entscheidet ein Bundesausschuss der Krankenkassen, wer in welchem Alter und in welchen zeitlichen Abständen einen generellen Anspruch auf welche Vorsorgeuntersuchungen hat. Manche gesetzlichen Krankenkassen zahlen auch für weitere Untersuchungen oder für kürzere Zeitabstände bei den Untersuchungen. Möchten Sie weitere Untersuchungen, so müssen Sie diese privat bezahlen – fragen Sie einfach bei Ihrer Krankenkasse nach. Bei den privaten Krankenkassen kommt es darauf an, was in Ihrem Vertrag steht. Bei vielen Vorsorgeuntersuchungen haben gesetzlich Krankenversicherte ab dem 35. Lebensjahr generell alle drei Jahre einen Anspruch auf eine Untersuchung. Allerdings sollten Sie sich über Einzelheiten gründlich informieren, hierfür zwei Beispiele: Eine Vorsorgeuntersuchung auf Hautkrebs können Sie ab dem 35 Lebensjahr alle zwei Jahre machen, Teile der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge stehen Frauen schon ab dem 20. Lebensjahr jedes Jahr zur Verfügung. Neben den Vorteilen einer Früherkennung (vor allem kann eine frühe Krebsdiagnose den Behandlungserfolg erhöhen und so für eine größere Lebensqualität sorgen) kann es bei manchen Krebsarten auch Nachteile geben. Dies betrifft zum einen die Tatsache, dass keine Diagnose hundertprozentig richtig sein muss, zum anderen Risiken bei den Untersuchungen selbst sowie den Therapien. Die Abwägung hängt viel davon ab, ob Sie Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin vertrauen. Ansonsten können Sie z. B. auch Erfahrungen von Selbsthilfegruppen nutzen oder sich auf seriösen Webseiten Rat holen. Es wäre nur schade, wenn Sie Krebsvorsorgeuntersuchungen generell nicht nutzen – zahlreiche Verfahren haben sich bewährt.

Krebszellen wachsen oft langsam, Symptome sind bei zahlreichen Krebsarten erst spät zu erkennen oder ähneln denen anderer Krankheiten. Eine Krebsvorsorge ist deshalb umso wichtiger. Eine Grundregel für Krebssymptome / -erkennung: Werden Sie sehr vorsichtig und aufmerksam, wenn eine Veränderung rund um Ihren Körper ohne erklärbaren Anlass stattfindet. Für die meisten Krebsarten gibt es spezielle Symptome, es existieren aber auch Symptome, die für viele Krebsarten ein Warnsignal sein können. Zu diesen gehören z. B. unerklärliche Schwellungen oder Knoten, Veränderung im Darm- und Blasenverhalten wie Verstopfung oder ungewohnt häufige Toilettengänge, Vergrößerung der Lymphknoten an den Achseln, unerklärliche Gewichtsveränderung, gleich in welche Richtung, Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden und Übelkeit, anhaltende und stärker werdende Schmerzen, unerklärliches Fieber und Schwitzen in der Nacht, Schwächegefühl oder dauernde Müdigkeit, anhaltender Husten. Diese und andere Symptome müssen nicht auf Krebs deuten, aber sind ein Alarmsignal. Ein Arztbesuch wäre gut – das würden Sie bei derartigen Symptomen vermutlich ohnehin tun.

Neben diesen gibt es für die meisten Krebsarten spezielle Symptome. Diese und weitere ausführliche Informationen z. B. zum Krankheitsbild, Krankheitsverlauf, speziellen Diagnoseverfahren und Therapien, Nachsorge und speziellen Fragen wie Krebsstadien und Leben mit Krebs finden Sie auf großen seriösen Webseiten. Dazu gehören z. B. die Seiten des Gesundheitsministeriums, des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Deutschen Krebsgesellschaft, der Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, der Deutschen Krebshilfe sowie der NetDoktoren (kommerzieller Anbieter).

Die Infos der Portale überschneiden sich oft, ergänzen sich aber gut in Details. Allerdings haben sie auch kleine Schwächen, z. B. manchmal für Laien nicht auf Anhieb verständliche Fachwörter. Auch wenn Sie glauben, schon gut informiert zu sein, sollten Sie bei Beschwerden nicht auf einen Arztbesuch verzichten.

Die Therapien hängen von der Krebsart, der Lage und dem Umfang der Erkrankung ab, aber auch vom Alter und dem Allgemeinzustand der Betroffenen. Ansonsten ist die Behandlung der meisten Krebsarten im Prinzip sehr ähnlich: Operation, Bestrahlung, Chemotherapie, medikamentöse Versorgung und oft Reha. Manchmal wird ein Element weggelassen, manchmal findet die Behandlung in anderer Reihenfolge statt, wenn z. B. eine Operation ohne vorherige Chemotherapie nicht sinnvoll ist. Festzustellen ist, dass es bei fast allen Behandlungsinstrumenten in den vergangenen Jahren große Fortschritte gegeben hat, die die Krankheit präziser bekämpfen und teils auch besser verträglich sind.

Die modernen Krebstherapien haben aber fast immer deutliche Nebenwirkungen. Die Beschwerden lassen sich durch unterstützende Maßnahmen fast immer lindern – Sie sollten sich nicht scheuen, nach diesen zu fragen und sie gegebenenfalls in Anspruch zu nehmen: Beispiele sind Medikamente, die gegen Übelkeit helfen oder bei einer Schwächung des Immunsystems zusätzliche Infektionen verhindern, manuelle Lymphdrainagen, Massagen, Cremes, oft auch auf die Belange der Betroffenen zugeschnittener Sport oder psychotherapeutische Unterstützung. Verschwiegen werden sollte nicht, dass innovative Krebstherapien, wenn auch selten, gravierende Langzeit- und Spätfolgen haben können. Dies wird in Kauf genommen, um die Heilungschancen für die gerade bestehende Krebserkrankung deutlich zu verbessern. Sie sollten deshalb, wenn es für Ihre Krebserkrankung mehrere Therapieoptionen gibt und Sie unsicher sind, eine zweite Meinung von ebenfalls fachkundigen Ärztinnen / Ärzten einholen. Dies ist heute auch bei an sich bewährten Verfahren durchaus üblich und hat mit Misstrauen nichts zu tun.

Die bestmögliche Therapie hängt immer vom Einzelfall ab. Dies gilt besonders für Senioren und Seniorinnen. Das Krebsrisiko steigt, wie bei anderen Erkrankungen, mit dem Alter deutlich an. Vor- und Nebenerkrankungen können bestehen, der körperliche und geistige Zustand differiert ebenso wie die Lebenserwartung. Fragen für Ärztinnen und Ärzte sowie Angehörige: Ist die Belastung durch die angedachte Therapie angesichts des Zustands für die Patientin / den Patienten vertretbar und erträglich? Ist eine hinreichende Lebensqualität gesichert, bringt eine Therapie einen deutlichen Zuwachs an Lebenserwartung? Ist eine befriedigende Versorgung nach der Akut-Erkrankung gewährleistet und gut organisiert? Sollte vielleicht Palliativmedizin zum Einsatz kommen? Dies sind Fragen, auf die es speziell im höheren Alter keine allgemeine Antwort geben kann.

Die Diagnose Krebs bei einem Kind ist ein Schock für die gesamte Familie. Die Heilungschancen sind zwar hoch, die 10-Jahres-Überlebensrate der Kinder, die eine Krebsdiagnose erhalten haben, liegt mittlerweile bei etwa 80%. Dies ändert nichts an der Tatsache, dass immense emotionale, praktische, soziale und organisatorische Herausforderungen bestehen. Extrem stark betroffen sind speziell Geschwisterkinder, weil mindestens ein Elternteil wegen der häufigen Krankenhausaufenthalte nicht zur Verfügung steht und sie sich allein gelassen fühlen. Die Krebsarten unterscheiden sich deutlich von denen Erwachsener, ebenso die Therapien. Ein massives Problem besteht darin, dass etwa zwei Drittel der Geheilten unter starken krankheits- und therapiebedingten Spätfolgen leiden. Umfangreiche Infos zu Kinderkrebs und den Hilfs- und Betreuungsangeboten finden Sie auf den Seiten der Kinderkrebsstiftung / Kinderkrebsinfo.

Die Erkrankten sowie das familiäre / soziale Umfeld benötigen häufig neben der eigentlichen Behandlung weitere Unterstützung, Rat, Mitgefühl und Austausch. Dies ist zum einen in den Foren seriöser Organisationen und Webseiten wie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Krebshilfe möglich. Zum anderen ist es über die zahlreichen Selbsthilfegruppen zu Krebserkrankungen möglich, die Ihre spezifische Erkrankung zum Thema haben – die gibt es auch für Angehörige. Sie können Ihre Probleme mit anderen teilen und Infos zu komplexeren Fragen erhalten und geben. Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe können Sie u. a. bei der Krebsgesellschaft oder dem Krebsinformationsdienst erfragen, häufig verfügen auch die großen Krankenhäuser über Informationen. Sie können sie aber auch z. B. auf der Webseite der NAKOS finden. Mittlerweile sind viele Selbsthilfegruppen über Chat und Internet zu erreichen, daneben gibt es die großen Foren. Eine geringe räumliche Entfernung zu einer passenden Selbsthilfegruppe ist deshalb zwar wünschenswert, aber nicht mehr zwingend.

Diabetes

Diabetes mellitus ist eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsels. Für die Verarbeitung von Zucker benötigt der Körper das Hormon Insulin. Ist dieses nicht ausreichend oder gar nicht vorhanden, kann Zucker nicht abgebaut werden. Ein hoher Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer unterschiedliche Organe und kann zu zum Teil lebensgefährlichen Begleiterkrankungen führen. Frühzeitig erkannt und behandelt können diese Risiken deutlich minimiert werden – Vorsorge und Prävention sind hier also besonders wichtig.

Diabetes wird unterschieden in zwei Hauptarten – die Autoimmunerkrankung Diabetes 1 sowie der sehr viel häufigere Diabetes 2, der „erworbene Diabetes“, der auch „Altersdiabetes“ genannt wird – obwohl er mittlerweile auch bei Kindern und Jugendlichen zunimmt.

Diabetes 1 entsteht meist bereits im Kindes- oder Jugendalter. Die Ursachen liegen vermutlich in der genetischen Veranlagung, es werden aber auch Zusammenhänge mit bestimmten Infektionen und anderen Faktoren vermutet. Bei einer Diabetes 1-Erkrankung wird die Bauchspeicheldrüse vom eigenen Immunsystem angegriffen, bis sie kaum noch oder gar kein Insulin mehr produziert. In der Folge entsteht ein Insulinmangel, der zu einer Überzuckerung des Körpers führt. Der Mangel kann nur durch Insulingaben ausgeglichen werden – ein Leben lang. Das bedeutet, dass sich die Betroffenen intensiv und auf Dauer mit ihrem Körper, ihrer Ernährung, ihrer Medikation und ihrem Lebensstil auseinandersetzen müssen, um einen möglichst gleichmäßigen Blutzuckerspiegel zu erreichen und das Risiko von Folgeerkrankungen zu minimieren.

Mit Training, ausreichender und lebensnaher Information und Kontrolle können die meisten Typ-1-Patient:innen heutzutage ein fast normales Leben führen und müssen auch nicht auf Genuss verzichten. Anders als früher kann der Blutzuckerspiegel viel genauer und einfacher kontrolliert werden, und entsprechend flexibel wird die Insulingabe auf den eigenen Körper angepasst. Auf dem Weg dahin gibt es allerdings viel zu lernen, z. B. welche Alarmsignale einer Über- oder Unterzuckerung zu beachten sind und wie der Körper auf sportliche Betätigung, auf Alkohol oder bestimmte Nahrungsmittel reagiert, damit das Insulin entsprechend dosiert werden kann. Besonders für Frauen und Jugendliche in der Pubertät wichtig: Auch hormonelle Schwankungen können den Blutzucker spürbar beeinträchtigen.

Nicht allen fällt es leicht, sich in das Leben mit Diabetes hineinzufinden. Insbesondere wenn andere Stressfaktoren hinzukommen, wie z. B. Pubertätsprobleme, kann es sehr belastend sein, sich so intensiv, diszipliniert und ausdauernd mit dem eigenen Gesundheitszustand befassen zu müssen.

Diabetes 2 gilt. anders als Typ 1, als eine „Lebensstil“-Krankheit: ein bewegungsarmer Alltag und ungesunde Ernährungsweisen tragen zur Entstehung der Krankheit deutlich bei. Bei einem Überangebot von Zucker muss der Körper viel Insulin produzieren – und mit der Zeit sinkt die Fähigkeit der Zellen, dieses zu verarbeiten (Insulinresistenz), bzw. die Schilddrüse wird überlastet und kann nicht mehr genügend Insulin zur Verfügung stellen – oder stellt die Produktion vollständig ein.

Anders als beim Typ 1, der oft mit einer Gewichtsabnahme einher geht, leiden viele (aber nicht alle) Typ-2-Patienten und -Patientinnen unter Übergewicht. Nicht selten führt die Diagnose daher zu Schuldgefühlen bzw. entsprechenden Reaktionen aus dem sozialen Umfeld – Erkrankte schämen sich, dass sie „es so weit kommen ließen“. Sollte es Ihnen so ergehen, machen Sie sich bitte klar, dass es zum einen noch eine Vielzahl weitere Faktoren gibt, die zur Entstehung dieser Krankheit beitragen (z. B. genetische Veranlagung, Schlafmangel, hohe Entzündungswerte im Körper etc.), und auch, dass diese Faktoren wiederum nicht unbedingt kontrollierbar waren oder sind. Scham ist kein guter Ratgeber, es kommt vielmehr darauf an, dass Sie Ihren Körper bewusst kennenlernen, um Ihren Stoffwechsel wieder weitgehend unter Kontrolle zu bekommen.

Entscheidend ist es, die ersten Warnzeichen ernst zu nehmen, und mit Hilfe von ärztlicher Betreuung, umfassender Information und Lebensstil-Veränderungen mit der Erkrankung umzugehen. Ein Prädiabetes, also die Vorstufe der Erkrankung, lässt sich durchaus besiegen. Bei Übergewichtigen gehören eine anhaltende Gewichtsabnahme mit gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung zu den besonders erfolgsversprechenden Maßnahmen – und dabei kann manchmal schon eine kleine Veränderung deutliche Besserung bringen. Bei konsequenter Behandlung kann bei einer Reihe von Betroffenen auch ein bereits ausgeprägter Diabetes nicht nur am Fortschreiten gehindert, sondern auch zumindest teilweise gebessert werden. Diabetes gilt zwar immer noch als „nicht heilbar“ – mittlerweile ist die Grenze zwischen „gesund“ und „krank“ aber nicht unumstritten. Manche Diabetiker:innen schaffen es, ihren Stoffwechsel wieder soweit in Schwung zu bringen, dass sie ohne Medikamente leben können und das Risiko von Folgeerkrankungen deutlich senken. Sie müssen sich zwar wohl ein Leben lang „bewusst ernähren“ und auf ausreichend Bewegung sowie ärztliche Vorsorge achten – das sollten aber letztlich auch nicht-Erkrankte.

Wenn der Zuckerspiegel sich durch Gewichtsabnahme, Bewegung und gesunde Ernährung nicht regulieren lässt, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung – und schließlich gibt es auch hier die Möglichkeit der Insulintherapie.

Diabetes 2 entwickelt sich schleichend, und oft wird die Krankheit nur durch Zufall bei einer Blutuntersuchung entdeckt – oder wenn bereits Folgesymptome auftreten, also Organe oder Nervensystem bereits Schaden genommen haben. Je früher die Diagnose, umso besser. Wenn Sie bei sich (oder Ihren Kindern) Warnzeichen entdecken, suchen Sie unbedingt einen Arzt / eine Ärztin auf. Ein unkontrollierter Diabetes kann zu mitunter lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisungen bzw. zum sogenannten diabetische Koma führen – und Organe, Blutgefäße und das Nervensystem können nachhaltig geschädigt werden.

Zu den häufigen Warnzeichen gehören:

  • Große Müdigkeit und Erschöpfung, Müdigkeitsattacken nach dem Essen
  • Hautjucken, trockene Haut
  • Großer Durst und häufiges Wasserlassen, insbesondere nachts.
  • Erhöhte Anfälligkeit für Infekte, z. B. Harnwegsinfektionen oder Pilzerkrankungen
  • Bauchschmerzen, Übelkeit und/oder Schwindelgefühl
  • bei Diabetes 1: ungeplante Gewichtsabnahme innerhalb weniger Wochen
  • Im fortgeschrittenen Stadium: Sehstörungen, Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen, insbesondere in den Füßen, schlechte Wundheilung

Die erste Anlaufstelle bei Diabetesverdacht ist die Hausärztin/der Hausarzt. Diese können Sie dann zu einer spezialisierten Diabetologie-Praxis überweisen. Die Krankenkassen übernehmen eine Reihe von wichtigen zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen, um z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Augenschäden, Nierenschäden oder Erkrankungen des Nervensystems (Poly-Neuropathie) rechtzeitig zu erkennen bzw. vorzubeugen. Außerdem werden Ihnen eventuell spezielle Fußpflege beim Podologen/bei der Podologin verschrieben, und Sie können an Ernährungskursen u. ä. teilnehmen.

Diabetes mellitus ist eine sehr komplexe Krankheit. Es gibt viele Einflussfaktoren, und viele mögliche gesundheitliche Folgen, die ihrerseits in Wechselwirkung stehen. Auch wenn es viele Diabetiker:innen gibt, die sehr gut mit der Krankheit leben, ist es nicht verwunderlich, dass es manchen Menschen doch sehr schwerfällt, mit der Diagnose klarzukommen bzw. sich in das neue Leben mit Diabetes einzufinden. Wenn Sie Ängste entwickeln, das Gefühl haben, diese neue Herausforderung nicht meistern zu können, oder ausgeprägte Niedergeschlagenheit erleben, scheuen Sie sich nicht, Unterstützung zu suchen. Neben psychotherapeutischer Beratung können auch Selbsthilfegruppen mit Erfahrungsaustausch und emotionalem Support helfen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In Deutschland sterben jedes Jahr mehrere hunderttausend Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (die Zahl liegt, je nachdem, welche Krankheiten in diese Gruppe einbezogen werden, zwischen 200.000 und 345.000 Personen, meist wird mit dem höheren Wert gearbeitet). In dieser Krankheitsgruppe haben die meisten Todesfälle zu beklagen: Die koronaren Herzerkrankungen (Erkrankung der Herzkranzgefäße als Folge einer Atherosklerose / Verkalkung der Herzkranzgefäße, die zur Verengung der Gefäße führen), der Herzinfarkt (die akute Form der koronaren Herzerkrankung), dauerhafter Bluthochdruck, Vorhofflimmern und Vorhofflattern des Herzens (der Puls ist in der Regel ungewöhnlich schnell und unregelmäßig, beim Flattern gelegentlich regelmäßig), Herzinsuffizienz / Herzschwäche (Funktionsstörung des Herzens), Schlaganfall infolge eines Hirninfarkts oder einer Hirnblutung.

Viele dieser Todesfälle könnten durch eine rechtzeitige Diagnose und Vorbeugung vermieden werden. Zur Vorbeugung gegen fast alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen eignen sich folgende einfach zu realisierende Maßnahmen: Regelmäßige Bewegung, kein Übergewicht, gesunde ausgewogene Ernährung mit wenig tierischem Fett, Salz und Zucker, nicht rauchen, möglichst wenig Stress.

Zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen Ihnen neben regelmäßigen Arztbesuchen ab dem 35. Geburtstag alle drei Jahre die gründlichen Untersuchungen des sogenannten Gesundheits-Check-up zur Verfügung. Er wird von den gesetzlichen Krankenkassen generell bezahlt, von den meisten privaten Krankenkassen auch (bei Erwachsenen unter 35 Jahren ist die Regelung etwas anders). Er kann viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft noch vor dem Auftreten der ersten Symptome erkennen und sie durch eine gute Behandlung vielleicht sogar verhindern. Es wäre schade, wenn Sie ihn regelmäßig in Anspruch nehmen würden.

Ein Herzinfarkt ist jährlich für etwa 45.000 Tote verantwortlich, er ist aber zunehmend gut behandelbar – mittlerweile überleben ihn mehr als zwei Drittel der Betroffenen. Voraussetzung fürs Überleben ist eine umgehende medizinische Hilfe, der Anruf bei der Notrufnummer 112 mit der Anforderung eines Rettungswagens und eines Notfallarztes. Sie sollten die Kleidung der betroffenen Person lockern, prüfen, ob das Herz noch schlägt oder ein Herzstillstand vorliegt. Ist dies der Fall, sollten Sie mit einer Herzdruckmassage beginnen, um den Blutkreislauf wieder in Gang zu bringen. Dies erfolgt so: Legen Sie die Person mit dem Rücken flach auf den Boden, knien Sie sich daneben und drücken mit übereinandergelegten Handballen etwa 100 mal pro Minute kräftig auf den Brustkorb (die richtige Position liegt auf Höhe der Brustwarzen). Dies machen Sie, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wenn mehrere Personen anwesend sind, wechseln Sie sich ab, um Kräfte zu sparen und möglichst lange durchzuhalten.

Ein Herzinfarkt ist immer noch lebensgefährlich und erfordert umgehende medizinische Hilfe. Er entsteht durch die vollständige Verstopfung eines Herzkranzgefäßes, ist die akute Form der koronaren Herzerkrankung. Dadurch erhält ein Teil des Herzmuskels nicht mehr genügend Sauerstoff und kann absterben. Durch die Mangeldurchblutung werden zahlreiche Organe und auch das Gehirn massiv geschädigt. Symptome sind u. a. über 4 Minuten andauernde unterschiedlich starke Schmerzen im Brustbereich, die oft auf andere Körperteile ausstrahlen ( z. B. Arme, Hals, Kiefer, Schulterblätter, Rücken oder Oberbauch), plötzliche Atemnot, Übelkeit, Schweißausbrüche, Schwäche oder Todesangst. Bei Frauen treten die Symptome oft schwächer auf, ein Herzinfarkt wird deshalb bei ihnen erst später oder überhaupt nicht bemerkt, oft mit fatalen Folgen. Machen Sie nicht den Fehler, abzuwarten, ob die Symptome nach einiger Zeit abklingen – es könnte tödlich sein. Rufen Sie 112 lieber zu früh als zu spät an.

Die Diagnose erfolgt fast immer durch ein Elektrokardiogramm (EKG). Manchmal schließen sich andere Untersuchungen an. Die Akut-Behandlung erfolgt fast immer durch die Einsetzung eines Stents, da dies aufgrund der hohen Dringlichkeit die schnellste und am leichtesten verfügbare Behandlungsform ist (Schnelligkeit ist extrem wichtig, um nicht noch mehr Zellen irreparabel absterben zu lassen). Eine Alternative wäre die Bypass-Operation, die länger dauert und oft nicht schnell erfolgen kann. Zum Einsatz von Stents: Zunächst wird ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter), ausgehend von einem Arm oder der Leiste, über eine Arterie an die Verstopfungsstelle des betroffenen Blutgefäßes herangeführt. Am Kopf des Schlauches sitzt ein kleiner Ballon, der am Ort der Verstopfung aufgeblasen wird und die Ablagerungen an die Gefäßwand presst – das Blutgefäß ist damit wieder durchlässig. Diese Prozedur wird mit Röntgenstrahlen überwacht. Gleichzeitig erfolgt unter lokaler Betäubung die Implantation eines Stents. Der Stent ist ein kleines manchmal beschichtetes Metallgitter für die Gefäßwände, das die durch den Ballon geschaffene Erweiterung des Blutgefäßes dauerhaft freihalten soll. Nach dieser Akutbehandlung erfolgt meist eine Rehabilitationsmaßnahme (Reha). Ziel ist, Sie körperlich und geistig fit zu machen. Dies geschieht durch Programme wie Bewegungstherapie und Schulungen, in denen Sie lernen, wie Sie Ihr Leben künftig gesünder gestalten. Ob die Reha ambulant erfolgen kann, hängt primär von Ihrem medizinischen Zustand ab.

Gleich nach der Akutbehandlung findet eine medikamentöse Therapie statt, meist mit Blutgerinnungs-Hemmern und anderen Medikamenten. Oberstes Ziel ist, die Gefäße offen zu halten. Wie das Leben nach einem Herzinfarkt aussieht, hängt vor allem davon ab, welche Schäden vom Infarkt geblieben sind. Maßgeblich ist aber auch Ihre Bereitschaft, Ihr Leben in gesundheitlicher Hinsicht zu ändern. Hierfür sollten vor allen Dingen die oben genannten Vorbeugungsmaßnahmen befolgt werden, z. B. sich regelmäßig länger zu bewegen, sich gesund zu ernähren, nicht zu rauchen und anderes mehr. Dies sollte nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft geschehen. Allerdings ist eine Veränderung im Hau-Ruck-Verfahren nicht anzuraten. Sie bringt nur zusätzlichen Stress, den Sie ja vermeiden sollten. Besser ist eine Änderung in mehreren größeren Schritten.

Zwei weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die oft tödlich verlaufen und Notfälle sind, sind der Schlaganfall und die Blutvergiftung / Sepsis. Zu diesen Erkrankungen gibt es in diesem Themenkreis separate Beiträge.

Zu zahlreichen anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhalten Sie u. a. einen ausgezeichneten Überblick auf den Webseiten gesund.bund.de des Gesundheitsministeriums, herzstiftung.de der Deutschen Herzstiftung und gesundheitsinformation.de der Stiftung Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. In der Regel erhalten Sie auf diesen Portalen eine Beschreibung der Krankheit und Informationen zu Symptomen, Ursachen, Vorbeugung, Behandlung sowie weiteren Fakten. Die Infos der Portale überschneiden sich oft, ergänzen sich aber gut in Details. Allerdings haben sie auch kleine Schwächen (die unterscheiden sich von Portal zu Portal), die Infos sind aber immer richtig. Die Schwächen bestehen darin, dass für Laien nicht auf Anhieb verständliche Fachwörter gebraucht werden, die Infos teils zu komprimiert sind und die Navigation lästig ist. Auch wenn Sie glauben, schon gut informiert zu sein, sollten Sie bei Beschwerden nicht auf einen Arztbesuch verzichten – das Leben ist kostbar.

Das familiäre / soziale Umfeld der Erkrankten braucht wie die Betroffenen selbst häufig Unterstützung. Sie sollten sich vielleicht rasch einer Selbsthilfegruppe anschließen (die gibt es auch für Angehörige), die Ihre spezifische Erkrankung zum Thema hat. Sie können Ihre Probleme mit anderen teilen und Infos zu komplexeren Fragen erhalten und geben. Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe können Sie bei der Herzstiftung erfragen, aber auch u. a. auf der Webseite der NAKOS finden. Mittlerweile sind viele Selbsthilfegruppen über Chat und Internet zu erreichen, sodass eine geringe räumliche Entfernung zwar wünschenswert, aber nicht mehr zwingend notwendig ist.

Schlaganfall

Bei einem Schlaganfall kommt es – vereinfacht gesagt – zu einem vollständigen Ausfall oder einer starken Beeinträchtigung der Blutzufuhr zum Gehirn. Die Mangeldurchblutung führt dazu, dass Gehirnregionen mangelhaft mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Schwere Beschädigungen und oft Behinderungen einzelner Körperfunktionen sind die Folge. Umgehende medizinische Hilfe ist zwingend erforderlich, Sie sollten ohne Zeitverzug die Notrufnummer 112 wählen, auch wenn nur der Verdacht besteht. Mögliche Symptome, die meist plötzlich auftreten und von Fall zu Fall unterschiedlich sind, sind z. B. Lähmung oder Taubheit eines Arms, Beins oder einer Gesichtshälfte, ungewohnt auftretende Gleichgewichts-, Sprach- und Sehstörungen, neu auftretende starke Gangunsicherheit sowie Schwindel oder rasende Kopfschmerzen. Sie sollten nicht abwarten, ob sich diese Symptome legen, gegebenenfalls wären die Folgen fatal. Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute.

Dies vorangestellt, die Frage, was ein Schlaganfall ist. Schlaganfall ist eine Sammelbezeichnung für eine Reihe unterschiedlicher Krankheiten. Der Begriff stammt aus der Zeit, als die Diagnostik noch nicht so weit war, die Unterschiede zu erkennen und gegebenenfalls unterschiedlich zu behandeln. Heute wird je nach Ursache in der Regel in zwei Hauptgruppen unterteilt, die jeweils mehrere Untergruppen haben: Den Hirninfarkt und die Hirnblutung. Daneben wird häufig der sogenannte kleine Schlaganfall erwähnt.

Der Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) hat zwei Hauptursachen: Den Verschluss einer Arterie durch Blutpfropfen und den Verschluss einer Hirnarterie durch Gefäßverkalkung. In der Akut-Behandlung wird für die Pfropf- / Gerinnsel-Auflösungen primär mit auflösenden Medikamenten behandelt, teils werden Katheter eingesetzt.

Die Hirnblutung (Interzerebralblutung, hämorrhagischer Schlaganfall) entsteht vorwiegend durch das Platzen oder Reißen eines oder mehrerer meist vorgeschädigter Blutgefäße im Gehirn. Die Folge: Mangelhafte Blutversorgung der umliegenden Gehirnareale. Eine Blutung in den Zwischenraum von Gehirn und Hirnhaut kann ebenfalls Ursache einer Hirnblutung sein. In der Akut-Behandlung sind intensive Maßnahmen zur Blutungsstillung erforderlich, teils ist auch eine Operation nötig.

Beim kleinen Schlaganfall (transitorisch Ischämische Attacke) ist die Mangeldurchblutung weniger stark, dauert oft nur kurz, und die Symptome legen sich meist schnell. Diese Schlaganfälle bleiben oft ohne große Nachwirkungen. Sie sollten auch hier vorsichtig sein, die Notrufnummer 112 wählen – ein folgender großer Schlaganfall wäre möglich.

Risikofaktoren sind unter anderem Bluthochdruck (dieser wird immer besonders hervorgehoben), Übergewicht, Stress, Rauchen oder zu wenig Bewegung. Es kann auch eine erbliche Veranlagung vorliegen.

Diagnostiziert werden Schlaganfälle durch intensive ärztliche Untersuchungen sowie häufig zusätzlich durch Computer- oder Magnetresonanztomographien (CT bzw. MRT).

Die Folgen eines Schlaganfalls unterscheiden sich von Fall zu Fall, abhängig von der Schwere sowie davon, welche Gehirnregionen betroffen sind, z. B. Arme, Beine, Denk-, Sprach-, Seh- oder Bewegungsvermögen. Daran orientieren sich die Weiterbehandlung und eine anschließende Rehabilitation. Diese können z. B. Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie beinhalten. Denkbar sind auch weitere spezielle Therapien, z. B. um die beruflichen Fähigkeiten zu verbessern. Ein wichtiger Punkt wird oft nicht berücksichtigt: Viele Patientinnen und Patienten kommen mittelfristig gut damit zurecht, dass sie einen Teil ihrer Selbstständigkeit und Lebensqualität aufgeben mussten. Einige aber verfallen darüber in tiefe Depressionen, so dass eine intensive Psychotherapie unverzichtbar ist. Vielfach können Selbsthilfegruppe einen Teil beitragen, in denen sich Betroffene sowie Angehörige austauschen können.

Weitere Informationen erhalten Sie u. a. auf der sehr aussagekräftigen Webseite der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe, der größten Selbsthilfeorganisation; gute und kompakte Infos bietet auch das Gesundheitsministerium.

AIDS / HIV und andere Geschlechtskrankheiten

Sexuell übertragbare Krankheiten können unangenehm und harmlos, sein, aber auch lebensgefährlich. Erreger können sowohl Bakterien als auch Viren, aber auch Pilze, Parasiten oder Gliederfüßler wie Filzläuse sein. Beispiele für durch Bakterien hervorgerufene Erkrankungen sind Syphilis und Gonorrhö, Beispiele für Virenerkrankungen HIV und Hepatitis B und C. Die Behandlung der Krankheiten hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, sie sind teils jedoch noch nicht heilbar. Wichtig ist vor allem, dass die Krankheit frühzeitig erkannt und behandelt wird.

Aufklärung und Information schützt – Fragen zu HIV und Aids sollten niemandem peinlich sein. Es gibt eine Reihe von vertrauenswürdigen Beratungsstellen und Hilfstelefonen, die persönliche Beratung zum Beispiel zu Prävention, Risiken und Nicht-Risiken, zu Behandlungsmöglichkeiten, Familienplanung oder auch zu rechtlichen Fragen anbieten.

Beachten Sie bitte – wie bei allen gesundheitsbezogenen Beratungen – dass eine Online- oder Telefonberatung keine Diagnose oder Therapie durch einen Arzt oder eine Ärztin ersetzt. Sie kann aber z. B. durchaus bei der Suche nach spezialisierter medizinischer Versorgung helfen.

Außerdem wichtig: Bei Infektionsrisiko z. B. nach einem „Safer-Sex-Unfall“ bzw. nach ungeschütztem Sex mit einem Menschen, der HIV-positiv ist, gibt es die Möglichkeit der Post-Expositionsprophylaxe (PEP), d. h. mit Medikamenten kann einer möglichen Infektion entgegengewirkt werden. Es ist wichtig, keine Zeit zu verlieren, und sich umgehend beraten zu lassen. Kliniken, die PEP anbieten, lassen sich z. B. auf der Seite der Deutschen Aidshilfe finden.

Augen-Erkrankungen / Erblindung

Das Sehvermögen ist ein zentrales Element der Lebensqualität. Eine dauerhafte Schädigung kann das Leben auf den Kopf stellen. Auf Veränderungen der für das Sehen relevanten Faktoren Augapfel, Sehnerv, Augenlinse und nicht zuletzt Übermittlung und Verarbeitung der optischen Impulse im Gehirn ist deshalb sehr zu achten und im Zweifel eher früher als später eine Augenarztpraxis aufzusuchen. Ohnehin ist ein regelmäßiger Augenarztbesuch zu empfehlen, um schleichende Veränderungen rechtzeitig feststellen und behandeln zu können (bei einigen schweren Augenerkrankungen beginnt der Krankheitsprozess schon lange, bevor die ersten Symptome erkennbar sind, der Schaden bleibt dann häufig dauerhaft bestehen). Dies gilt besonders für Seniorinnen und Senioren, da die Augenerkrankungen im Alter oft gravierender werden und bei zu später Diagnose teils irreparabel sind (dies ist bei Erkrankungen wie Glaukom / Grüner Star oder feuchter Makula-Degeneration ohnehin fast immer der Fall).

Sehbehinderung und Blindheit können allerdings nicht erst im späteren Alter auftreten, sie können angeboren sein oder sich im frühen Kindesalter entwickeln. Wie mit dieser Beeinträchtigung umgehen und das Kind zu einem möglichst selbstständigen und selbst bestimmten Leben zu führen, ist eine Riesenherausforderung für die Eltern, bei der auch die Gefahr der Überfürsorglichkeit besteht. Es gibt viele gute Seminare der Blinden- und Sehbehindertenverbände, die Sie gegebenenfalls mit dieser schwierigen Aufgabe vertraut machen – diese sollten Sie frühzeitig nutzen. Sie können Ihre Erfahrungen und Sorgen auch mit anderen betroffenen Eltern austauschen. Dies ist über Telefon und Internet reibungslos möglich, auch wenn es keine Initiative in Ihrer unmittelbaren Umgebung gibt.

Eine Augenschädigung kann angeboren, Folge einer Erkrankung oder eine eigenständige Krankheit sein oder durch einen Unfall hervorgerufen werden. Die Schädigung kann leicht sein und fast von selbst heilen (z. B. ein Gerstenkorn), schwerer sein und gegebenenfalls eine Operation erfordern (z. B. grauer Star) oder nicht heilbar, nicht zu stoppen sein und schlimmstenfalls zur Erblindung führen (z. B. feuchte Makula-Degeneration).

Einen guten Überblick über Augenerkrankungen und -beschwerden erhalten Sie u. a. auf den Webseiten des Gesundheitsministeriums und der NetDoktoren. Ebenfalls gut aufgehoben sind Sie beim Portal gesundheitsinformation.de der Stiftung Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen – hier finden Sie aber keinen Überblick, sondern müssen nach den Namen der jeweiligen Krankheit suchen. In der Regel erhalten Sie auf diesen Portalen eine Beschreibung der Krankheit und Informationen über Symptome, Ursachen, Vorbeugung, Behandlung sowie weitere Fakten (die Infos der Portale überschneiden sich oft, ergänzen sich aber häufig). Auch wenn Sie glauben, schon gut informiert zu sein, sollten Sie bei Beschwerden nicht auf einen Arztbesuch verzichten – das Augenlicht ist kostbar.

Zu einigen schwereren Erkrankungen, die zu einer erheblichen Sehbehinderung oder auch zur Erblindung führen können:

Die Makula ist der Bereich der Netzhaut, der für das scharfe Sehen besonders wichtig ist. Ist dieser Bereich geschädigt, spricht man von einer Makuladegeneration. Die altersabhängige Makuladegeneration – AMD – ist eine chronische Stoffwechsel-Erkrankung, die mit dem Alter drastisch zunimmt (eine AMD beginnt meist erst jenseits der 70er; bei den über 85-Jährigen sind es schon zwischen 10 und 20%). Der Körper ist nicht mehr in der Lage, die Abfallprodukte, die beim Stoffwechsel entstehen, vollständig auszuscheiden. Ablagerungen unter der Netzhaut entstehen, die verhindern, dass die Netzhaut hinreichend durchblutet und versorgt wird. So kommt es zur Schädigung der Makula. Die genauen Ursachen dieser Erkrankung sind noch nicht erforscht, sie ist bisher nicht heilbar. Eine vollständige Erblindung durch AMD findet nur selten statt, da die Außenbereiche der Netzhaut meist noch begrenzt funktionsfähig sind. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich etwa 5.000 Personen in Deutschland durch AMD erblinden.

Es gibt zwei Formen der AMD, die trockene und die feuchte. Die trockene Form ist häufiger als die feuchte, entwickelt sich langsamer und ist im Prinzip weniger gefährlich. Sie verursacht vor allem gravierende Schäden an den lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut, daneben gibt es Pigment-Veränderungen. Bei der feuchten entwickelt der Körper als Reaktion auf die mangelnde Netzhautdurchblutung zusätzliche Blutgefäße unterhalb der Netzhaut, die, wenn sie durchlässig werden, Blut und Flüssigkeit in der Netzhaut verbreiten. Eine Mischung von trockner und feuchter AMD kommt auch vor. Bei der trocknen AMD sind bislang keine wirksamen Therapien nachgewiesen, bei der feuchten gibt es primär medikamentöse Behandlungen, daneben Lasern und in seltenen Fällen Operationen.

Diabetes kann sich auf viele Augenerkrankungen negativ auswirken. Die diabetische Retinopathie ist eine durch diabetesbedingte Stoffwechselveränderungen hervorgerufene chronische Erkrankung der Netzhaut. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 15% der an Diabetes Leidenden diese Augenerkrankung haben.

In den ersten – meist symptomfreien – Phasen treten Durchblutungsstörungen der Netzhaut auf, es können Eiweiße, Flüssigkeit und Fett in der Netzhaut eingelagert werden – Netzhautzellen sterben unwiederbringlich ab. Eine Früherkennung ist deshalb unbedingt nötig. Im fortgeschrittenen Stadium wehrt sich der Körper gegen die Mangeldurchblutung und bildet neue, oft instabile Blutgefäße vor allem auf der Netzhautoberfläche, die reißen oder porös werden können: Es kommt zu Einblutungen oder Flüssigkeitsbildung in der Netzhaut, die zu erheblichen Sehbehinderungen und schlimmstenfalls zur vollständigen Erblindung führen. Für die Diagnose ist meist zwingend eine Augen-Spiegelung notwendig (Betrachtung des Augenhintergrunds).

Glaukom / grüner Star ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen von Schädigungen / Erkrankungen des Sehnervs, primär des Sehnervkopfes. Glaukome entwickeln sich meist erst ab dem 40. Lebensjahr, die Häufigkeit steigt mit dem Alter deutlich an. Der Schädigungsprozess verläuft meist schleichend, das Sehvermögen lässt zunächst oft lange nicht nach. Die Folge: Ein Großteil der Menschen, die unter einer Glaukom-Erkrankung leiden, bemerkt dies zu spät. Die schon bestehenden Schäden sind irreparabel – ein regelmäßiger Augenarztbesuch ist schon deshalb zu empfehlen. Fatal: Die Glaukom-Früherkennungsmaßnahmen werden oft von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet, müssen also privat bezahlt werden. Ein vollständiger Verlust des Sehvermögens erfolgt meist nicht, es gibt zwischen 1.500 und 2.000 durch ein Glaukom Erblindete pro Jahr.

Ursache für ein Glaukom ist häufig ein hoher Augeninnendruck (nicht zwangsläufig, aber ein großes Warnsignal). Ein weiterer Faktor kann eine mangelhafte Durchblutung des Sehnervs sein. Andere Formen von Glaukom-Erkrankungen können Folge von Gefäßerkrankungen, Verletzungen und Entzündungen sein.

Die Behandlung von Glaukomen erfolgt in den weitaus meisten Fällen durch Augentropfen oder operative Eingriffe. Heilbar sind sie bis heute nicht.

Die an sich klaren Augenlinsen trüben sich beim Grauen Star – Katarakt – zunehmend ein. Der Prozess beginnt meist schleichend jenseits des 50. Lebensjahres, das Sehvermögen verschlechtert sich, von Person zu Person unterschiedlich, mal weniger, mal mehr. Es kann auch sein, dass weitsichtige Brillenträger plötzlich wegen der veränderten Brechkraft der Linse ohne Brille auskommen. Trotzdem ist es ratsam, bei einer Veränderung der Sehkraft eine Augenarztpraxis aufzusuchen. Ursache für den grauen Star ist vorwiegend der natürliche Alterungsprozess, eventuell auch eine erbliche Veranlagung. Unter anderem könnten auch Rauchen oder Diabetes mitverantwortlich sein. Für den grauen Star sind wirksame medikamentöse Therapien bisher nicht bekannt, man ist auf Brillen oder Contactlinsen angewiesen. Wenn diese nicht mehr ausreichen, helfen Operationen, bei denen die trübe durch eine künstliche Linse ersetzt wird.

Beim Umgang mit blinden oder stark sehbehinderten besteht das Problem, dass Symptome wie Stolpern oder Orientierungsschwierigkeiten häufig denen ähneln, die bei Demenz auftreten. Ist die richtige Einordnung erfolgt, so ist der Umgang relativ einfach, wenn man rücksichtsvoll, umsichtig und klar denkend ist. Eine gute Zusammenfassung von Tipps findet sich auf der Webseite des deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands. Aber noch einige Bemerkungen: Den Betroffenen sollte nach Möglichkeit freigestellt werden, in welchen Bereichen und wie sie unterstützt werden möchten. Man sollte nüchtern berücksichtigen, dass sie sich häufig ihrer Unzulänglichkeiten unnötig schämen, z. B. wenn die Kleidung farblich nicht zusammenpasst, sie beim Essen kleckern oder sie sich im Restaurant die Speisen klein schneiden lassen. Wie Sie als Begleitperson praktische und psychische Hilfe leisten, hängt ganz von der jeweiligen Situation ab. Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass die Betroffenen Ihnen nicht ins Auge blicken – es ist ihnen oft aufgrund ihrer Erkrankung nicht möglich. Nutzen Sie die Ziffernblattregel: Sagen Sie z. B. beim Essen, dass das Gemüse auf dem Teller bei 7 Uhr liegt. Zerren Sie beim Spazierengehen bei einer Richtungsänderung nicht am Arm, sondern sagen Sie, es geht nach rechts, es kommt ein Pfeiler. Speziell bei Blinden sehr wichtig: Stellen Sie für die Betroffenen wichtige Dinge immer wieder auf den identischen Platz, z. B. nach dem Staubwischen. Schon eine Veränderung um 10 cm kann für die Betroffenen schlimm sein.

Informationen über Hilfen und Freizeitangebote für Blinde und stark Sehbehinderte sowie deren Angehörige können Sie auf mehreren Wegen erhalten. Eine Möglichkeit sind Selbsthilfegruppen, bei denen Sie sich über Ihre Probleme austauschen und Trost suchen können, aber auch Alltagstipps geben und erhalten, z. B. wie man herausfindet, dass der Elektroherd ausgeschaltet ist. Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe können Sie über die Webseite der NAKOS finden, aber auch über die regionalen Blinden- und Sehbehinderten-Vereine, die über eine Fülle wertvoller Alltagstipps verfügen und gelegentlich Demonstrationsobjekte vor Ort haben, an denen Sie testen können. Daneben können Sie sich auch Hilfsmittel wie Blindenstöcke oder elektronische Lesegeräte von Ihrem Augenarzt / Ihrer Augenärztin verschreiben lassen, die im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen aufgeführt sind. Dafür benötigt man gelegentlich Kraft, gute Nerven und Zähigkeit, da in Arztpraxen neue Hilfsmittel nicht immer bekannt sind oder sich die Kassen wegen hoher Kosten sperren.

Infos und Tipps über blinden- / sehbehindertengerechte Freizeitangebote können Sie ebenfalls über die erwähnten Selbsthilfegruppen oder Verbände suchen. Mittlerweile haben sich einige Anbieter auf Blinde und Sehbehinderte spezialisiert, z. B. Reiseveranstalter oder Hotels. Ebenfalls gibt es eine kostenlose Hörbuch-Ausleihe für Blinde. Bei Interesse können Sie danach – wie für viele andere Freizeitangebote – selbst im Internet recherchieren oder recherchieren lassen. Eine erfreuliche und erfüllende Freizeitgestaltung ist also auch bei Blindheit oder starker Sehbehinderung möglich.

Die Hürden für einen finanziellen Nachteilsausgleich sind hoch. Von Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt sollten Sie sich bestätigen lassen, wie hoch die verbliebene Sehkraft bei Ihnen ist. Auf Basis dieser Werte lassen Sie sich einen Schwerbehindertenausweis ausstellen oder ändern. Die Höhe des Blindengeldes unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, in einigen Bundesländern gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Sehbehindertengeld. Meist kann Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt schon sagen, ob Sie einen Anspruch haben, dann stellen Sie einen Antrag beim örtlichen Sozial- / Versorgungsamt.

Corona / Long Covid

Eine Corona- / Covid-19-Erkrankung ist in Deutschland mittlerweile fast zur Normalität geworden. Die Infektionserkrankung wird durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht. Da das Virus mutieren kann, gibt es schwerere oder mildere Varianten. Die Erkrankungen können leicht bis sehr schwer verlaufen, im Extremfall zum Tode führen – bei Corona gibt es Risikogruppen wie Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Vor- oder chronischen Erkrankungen. Ähnlich einer Grippe kann man mehrfach an Corona erkranken. Hauptüberträger der Infektion sind kleine oder größere Tröpfchen, die beim Atmen, Sprechen, Niesen, Husten oder Singen entstehen. Sie werden entweder bei geringem Abstand zwischen den Menschen direkt eingeatmet, können aber auch durch das Anfassen eines belasteten Gegenstandes und der anschließenden Berührung des Mundes oder der Nase entstehen. Die Beschwerden können noch einige Zeit nach dem Ende der Krankheit andauern und dann verschwinden, aber auch zu den schweren Spätfolgen von Long Covid führen, siehe unten.

Die Symptome ähneln häufig denen einer Grippe oder Erkältung: Fieber, Schnupfen, Husten sowie Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen. Übelkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Kurzatmigkeit, Müdigkeit sowie Hautausschlag können ebenfalls Anzeichen sein.

Wie auf solche Beschwerden reagieren? Sind die Hausärztin / der Hausarzt telefonisch erreichbar, bitten Sie diese um Rat. Ansonsten machen Sie einen – mittlerweile kostenpflichtigen – Antigen-Schnelltest zu Hause. Ist dieser positiv, sollten Sie die Arztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 anrufen und weitere Anweisungen einholen. Vermutlich muss ein PCR-Test gemacht werden, der in einem Labor in Bezug auf das Virus- Erbgut ausgewertet wird. Ist auch dieser Test positiv, erfolgt die Behandlung:

Sind die Symptome mild und Sie gehören nicht zu den Risikogruppen, so können Sie sich zu Hause mit Fieber-, Übelkeits- oder anderen Mitteln selbst auskurieren. Ansonsten werden Ihnen bereits bewährte Mittel oder neu entwickelte Corona-Präparate verschrieben. Ist der Verlauf sehr schwer, müssen Sie ein Krankenhaus aufsuchen (Männer sind bei diesen schweren Verläufen stark überdurchschnittlich vertreten). Bei schweren Krankheitsverläufen kann es auch eine ambulante oder stationäre Reha geben.

Was aber tun zur Vorbeugung? Zunächst ist immer eine gründliche Hygiene nötig und Stoßlüften in den Räumen. Daneben ist eine vollständige Corona-Schutzimpfung zu empfehlen. Es gibt verständliche Argument dagegen (abgesehen von zahlreichen Verschwörungstheorien), aber bei aller berechtigter Kritik aufgrund von Nebenwirkungen ist zu bedenken, dass die in kürzester Zeit entwickelten Präparate viele Zehntausende an Menschenleben gerettet haben. Vollständige Corona-Impfungen können Corona zwar nicht immer verhindern, aber meist für mildere Verläufe sorgen. Dies gilt auch für Long Covid.

Ansonsten ist eine gute Vorbeugung von der Ansteckungsgefahr der jeweiligen Virus-Variante abhängig – und vom gesunden Menschenverstand. Bei sehr hoher Ansteckungsgefahr gilt z. B. die Regel: Menschenmengen meiden, Abstand halten und Maske tragen, vielleicht auch Home Office. In der Vergangenheit herrschte vielfach die Angewohnheit, dass wenn die Gefahr nicht mehr so groß war, alle Vorbeugungsmaßnahmen fallen gelassen wurden. Aber zum gesunden Menschenverstand: Es hätte niemand jemanden daran gehindert, z. B. im Bus, bei einem Konzert oder in einem vollen Fußballstadion noch eine Maske zu tragen, wenn die Krankheitswelle nicht mehr so hoch war.

Unter dem Begriff Long Covjd werden körperliche, geistige und psychische Beschwerden zusammengefasst, die noch Wochen oder Monate nach einer Corona-Erkrankung bestehen bleiben; hinzu kommen gesundheitliche Beschwerden, die vor der Corona-Erkrankung nicht bestanden und nicht auf andere Ursachen zurückzuführen sind. Wenn Beschwerden noch einige Zeit nach Ende der Corona-Erkrankung andauern und dann verschwinden, ist dies im Prinzip nichts Ungewöhnliches. Anders sieht es aus, wenn Symptome länger bestehen bleiben: Dann wird bei Ärztinnen und Ärzten zwischen Long (mindestens vier Wochen) und Post Covid (mindestens drei Monate) unterschieden, im allgemeinen Sprachgebrauch wird meist Long Covid verwandt.

Bei Long / Post Covid ist derzeit noch vieles unerforscht. Dies betrifft nahezu alle Bereiche, z. B. Risikofaktoren, Ursachen, Diagnostik oder Behandlung. Es kommen aber laufend neue Forschungsstudien hinzu, die Lage verbessert sich also deutlich. Menschen, die schwer an Corona erkrankt waren, haben ein größeres Risiko, auch an Long Covid zu erkranken. Die Dauer der Erkrankung ist unterschiedlich, die Schwere des Verlaufs ebenfalls.

Bei Long / Post Covid kann es eine Vielzahl an Symptomen geben, allein oder in Kombination: Häufige Symptome sind starke Müdigkeit, mangelnde Belastbarkeit und Erschöpfungszustände, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie starke, andauernde Atemwegsprobleme. Daneben werden genannt Depressionen und Angststörungen, Durchfall, Schlafstörungen, Einschränkungen des Geschmacks- und Geruchssinns, Muskelschmerzen oder auch Sprachstörungen. Es können auch Folgeerkrankungen auftreten, z. B. Herzrhythmusstörungen oder Diabetes.

Die genauen Ursachen und Ablaufmechanismen der Long Covid-Erkrankung sind bisher nicht hinreichend erforscht. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass es kein einheitliches Krankheitsbild gibt, es sich vielmehr um Spätfolgen einer Corona-Erkrankung mit einer großen Anzahl unterschiedlicher Symptome handelt, die das Alltagsleben und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten stark beeinträchtigen. Wahrscheinliche Ursachen sind z. B., dass Coronaviren auch nach der akuten Corona-Erkrankung im Körper verbleiben und für neue Entzündungen sorgen oder dass das Immunsystem als Folge der Corona-Erkrankung aus den Fugen gerät und an sich gesunde Zellen angreift.

Die Diagnose von Long Covid kann aus zwei Gründen schwierig sein: Einerseits kann der Verlauf einer vorangegangenen Corona-Erkrankung so mild gewesen sein, dass die Betroffenen sie nicht bemerkt haben oder keine Blutwerte vorliegen. Andererseits ähneln die Symptome oft denen anderer Erkrankungen, so dass ein mühsamer Ausschlussprozess vorgenommen werden muss. Neben einem umfassenden Arztgespräch ist deshalb meist eine körperliche, mentale und psychische Untersuchung nötig. Nicht selten ist eine Überweisung an andere Fachärztinnen und -ärzte erforderlich.

Behandlungsziel ist, die Beschwerden zu lindern und eine erträgliche Lebensqualität wieder herzustellen. Die Beschwerden können im Laufe der Zeit verschwinden oder viel schwächer werden. Dies ist nicht gewährleistet, sie können auch von erheblicher Dauer sein. Dann sind zusätzliche unterstützende Maßnahmen wie z. B. Schmerz-, Physio- oder Psychotherapie nötig.

Ein einheitliches Behandlungskonzept gibt es bislang erst in Ansätzen – die Behandlung hängt ganz von den jeweiligen Beschwerden ab. Häufig sind daran mehrere medizinische und therapeutische Disziplinen beteiligt, z. B. . aus dem psychologischen, internistischen, orthopädischen Bereich, aus der Physio- und Ergotherapie, aus dem Sport- oder Gedächtnistrainingsbereich. Die Therapien können ambulant oder stationär in Fachkliniken oder Reha-Einrichtungen durchgeführt werden. Zur Behandlung gehört teils auch das sogenannte Pacing, eine Therapiemethode, mit der den Betroffenen vermittelt werden soll, sorgsam mit ihren durch die Krankheit verminderten Kräften umzugehen, diese gut einzuteilen und sich nicht zu überfordern. Wenn die Betroffenen noch einen Beruf ausüben, ist oft eine stufenweise Wiedereingliederung möglich. Teils bleiben sie aber arbeitsunfähig.

Gute, fachkundige Infos zum Thema erhalten Sie z. B. auf den Seiten des Gesundheitsministeriums, der Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, des Robert-Koch-Instituts sowie der BAG Selbsthilfe. Gute Infos finden Sie auch auf den Webseiten vieler großer Krankenhäuser.

Die Erkrankten sowie das familiäre / soziale Umfeld benötigen häufig neben der eigentlichen Behandlung weitere Unterstützung, Rat, Mitgefühl / Austausch von und mit anderen Betroffenen. Dies ist zum einen in den Foren seriöser Organisationen und Webseiten wie der BAG Selbsthilfe möglich. Zum anderen gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen zu Corona und Long Covid. Sie können Ihre Probleme mit anderen teilen, Infos zu komplexeren Fragen erhalten und geben. Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe können Sie u. a. auch z. B. auf den Webseiten der BAG Selbsthilfe oder der NAKOS finden. Oft können Ihnen Kliniken oder Reha-Einrichtungen, in denen Sie ambulant oder stationär behandelt werden, ebenfalls Adressen nennen. Mittlerweile sind viele Selbsthilfegruppen über Chat und Internet zu erreichen. Eine geringe räumliche Entfernung zu einer passenden Selbsthilfegruppe ist deshalb zwar wünschenswert, aber nicht mehr zwingend.

Blutvergiftung / Sepsis

Eine Blutvergiftung / Sepsis kann durch viele Infektionserkrankungen hervorgerufen werden, also nicht ausschließlich durch eine entzündete Hautwunde, wie oft vermutet wird. Eine Sepsis kann im Prinzip jeden Menschen treffen und ist meist lebensgefährlich, wenn sie nicht behandelt wird.

In der Regel werden die körpereigenen Abwehrstoffe gut mit einer Infektion fertig, vielfach durch geeignete Medikamente unterstützt. Es kann aber passieren, dass die Abwehrreaktionen aus dem Ruder laufen und die Erreger und Entzündungsbotenstoffe über die Blut- und Lymphbahnen den ganzen Körper überfluten, gesundes Gewebe / lebenswichtige Organe angreifen und schädigen. Dann haben Sie eine Sepsis (der Ausdruck Blutvergiftung ist im Prinzip irreführend, da nicht das Blut selbst vergiftet ist, sondern nur den Transport der Erreger und Botenstoffe übernimmt). Eine zusätzlich gefährliche Variante ist der septische Schock, bei dem die Herz-Kreislauf-Funktionen zusammenbrechen und die Organe nicht mehr mit Blut versorgen. Dies führt zu schwerwiegenden Schädigungen und oft zum Tod.

Ursache einer Blutvergiftung ist immer eine Infektion, meist hervorgerufen durch Bakterien, aber auch Viren, Pilze und Parasiten können der Grund sein (Beispiele für Infektionen sind Lungen- oder Blasenentzündungen, Verletzungen in der Freizeit, aber auch Corona). Ein hohes Risiko haben speziell Seniorinnen und Senioren, Frühgeborene und Säuglinge unter einem Jahr, Menschen mit Vorerkrankungen wie Lungen-, Nieren-, Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (z. B. durch Krebs oder die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem schwächen können). Direkte Vorbeugungsmaßnahmen gegen eine Sepsis sind nicht möglich, sie beschränken sich auf Vorbeugung gegen Infektionen. Dazu zählen eine sehr gründliche Hygiene wie häufiges Händewaschen und Sauberkeit der Wohnung, ein sorgsamer und nicht leichtsinniger Umgang mit Verletzungen sowie, wenn Sie nicht prinzipiell dagegen sind, die Nutzung vieler Impfungen, die es mittlerweile gegen Infektionen gibt.

Häufige Symptome für eine Sepsis sind höheres Fieber, oft mit Schüttelfrost (aber auch, wenn Sie kein Fieber haben, ist eine Sepsis nicht ausgeschlossen), Kurzatmigkeit, ein extremes Krankheitsgefühl, plötzliche Verwirrtheit, abfallender Blutdruck. Diese Symptome ähneln denen einer schweren Erkältung, aber Sie sollten sie nicht unterschätzen und lieber früher als später eine Arztpraxis aufsuchen. Häufig wird davon ausgegangen, dass nur ein sich langsam ausbreitender roter Strich auf dem Arm auf eine Sepsis hindeutet. Dies ist nicht richtig – viele tatsächlich von einer Sepsis Betroffene zeigen dieses Symptom nicht (es entsteht durch eine Entzündung einer Lymphbahn auf dem Arm).

Eine Sepsis-Diagnose ist im Prinzip relativ einfach: Zunächst wird ein ausführliches Arztgespräch geführt. Ist eine Infektions-Erkrankung bekannt und wird von Sepsis-Symptomen berichtet, wird auf eine Sepsis geschlossen. Mehrere Blutproben werden entnommen, um zu prüfen, welche Organe bereits geschädigt sind und welche Sepsis-Erreger im Blut nachweisbar sind. Die Auswertung der Blutproben erfolgt im Labor und ist zeitaufwändig. Bei einer Sepsis gilt das Prinzip, das je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto größer sind die Heilungschancen und desto kleiner sind eventuelle Folgeschäden. Deshalb wird bereits vor Abschluss der Auswertungen ein Antibiotikum verabreicht, das gegen die meisten Sepsis-Erreger hilft. Ist die Auswertung abgeschlossen, werden Medikamente gegeben, die auf die speziellen Erreger zugeschnitten sind. Die Behandlung erfolgt fast immer im Krankenhaus, teils auch auf den Intensivstationen.

Eine schwere Sepsis kann gravierende Folgeschäden haben, die körperlicher und psychischer Natur sein können, die von Fachärztinnen und Fachärzten behandelt werden sollten. Eine Reha käme gegebenenfalls auch in Betracht, aber dafür stehen oft nicht genügend Plätze zur Verfügung. Hier springen Vereine wie die Sepsis-Hilfe ein, die sowohl für Betroffene als auch für Angehörige da sind. Sie bieten zusätzliche Informationen, die Möglichkeit zum Austausch vor Ort oder per Internet sowie teils auch konkrete Hilfsangebote.

Depressionen

Depression ist eine psychische Erkrankung, die sich an vielen meist offen zu Tage tretenden Symptomen festmachen lässt: Traurigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, undefinierte Schmerzen, Zukunftsängste, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, mangelndes Selbstwertgefühl, Selbsttötungsgedanken, Schuldgefühle, mangelnde sexuelle Lust, Teilnahmslosigkeit bei herausragenden Ereignissen oder Vernachlässigung der Körperhygiene und des äußeren Erscheinungsbildes und andere negative Gefühle und Probleme – das eine oder andere davon hat jeder Mensch zumindest gelegentlich. In Grenzfällen können auch Wahngedanken vorliegen – das Spektrum ist also sehr groß.

Allerdings sind Traurigkeit, negative Gefühle und Probleme nicht automatisch mit Depression gleichzusetzen, sie sind vielmehr für den Menschen im Prinzip normal. Ernst wird es nur, wenn die Symptome geballt auftreten und nicht nach einiger Zeit abflauen, es sollten maximal zwei Wochen sein. Ist dies nicht der Fall, so ist es wahrscheinlich, dass Sie an einer Depression leiden. Bei Depressionen erstrecken sich oft über längere Zeit, nicht selten Monate oder Jahre (bei einer Mindestdauer von 2 Jahren, selbst wenn von symptomfreien Phasen unterbrochen, spricht man von einer chronischen Depression). Im Falle einer Erkrankung sind Sie nicht allein: Etwa 15 – 20% der Menschen in Deutschland leiden im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal an einer Depressionserkrankung, aktuell sind etwa 4 Mio. Personen betroffen. Positiv ist, dass die Krankheit gut zu behandeln ist und sich bei einer guten Therapie die Einschränkung der Lebensqualität im Rahmen hält (allerdings lassen sich viele Betroffene – warum auch immer – nicht behandeln). Eine große Anzahl an Patientinnen und Patienten kann geheilt werden. Bei der Mehrzahl der von einer Depression Betroffenen treten die Beschwerden allerdings erneut auf. Ist dies innerhalb von 6 Monaten nach dem Abklingen der Fall, spricht man von einem Rückfall, bei mehr als 6 Monaten von einer wiederkehrenden Depression. Seniorinnen und Senioren sind von solchen Rückschlägen überdurchschnittlich stark betroffen.

Wie schwer eine Depression ist, orientiert sich an präzise festgelegten Haupt- und Nebensymptomen. Man spricht je nach Anzahl und Kombination der Symptome von leichten, mittleren und schweren Depressionen. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Depressionsformen. Einige spezielle sind z. B. die psychotische Depression (hier treten neben anderen Symptomen Wahnvorstellungen auf wie eine vermeintliche Überschuldung oder eine vermeintlich noch nicht erkannte eigene schwere Erkrankung), die postnatale Depression, an der Frauen nach der Geburt eines Kindes leiden können, die saisonal abhängige Depression (bei ihr fallen der Anfang und das Ende einer Depressionsphase häufig mit einer bestimmten Jahreszeit zusammen), die Altersdepression sowie die manisch-depressive Erkrankung (hier wechseln sich Phasen der tiefsten Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit mit Phasen des übersteigerten Hochgefühls ab. Dieses Hochgefühl kann zu maßloser Selbstüberschätzung, unerträglicher Arroganz und ähnlich Negativem führen, das oft zu erheblichen Schäden in der Familie, im sozialen Umfeld, der Gesundheit oder in wirtschaftlichen Belangen -Ruin – führt).

Viele Depressions-Ursachen sind noch nicht erforscht. Die bekannten unterscheiden sich von Mensch zu Mensch, von Fall zu Fall. Meist ist es eine Kombination mehrerer Faktoren, häufig tritt die Depression nach einem belastenden Ereignis auf, z. B. dem Tod eines geliebten Menschen: Die dahinter stehende Ursache kann eine erbliche Veranlagung sein oder eine Stoffwechsel- und Funktionsstörung im Gehirn, an Entwicklungen in der Kindheit liegen (z. B. Überfürsorglichkeit, mangelnde Beachtung, kein Selbstbewusstsein, Geringschätzung, Diskriminierung), Trennung von der Partnerin / dem Partner, kritische Ereignisse wie Arbeitslosigkeit oder schwere Krankheit, Stress durch Überforderung oder Einsamkeit.

Die Feststellung / Diagnose einer Depression kann aus mehreren Gründen Probleme mit sich bringen. Einerseits führen Betroffene die Symptome wie Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche auf ein persönliches Versagen oder Fehlverhalten zurück und weigern sich, eine Arztpraxis aufzusuchen. Dies kann auch auf Scham zurückzuführen sein. Möglich ist auch, dass sie bereits so tief in eine schwere Depression versunken sind, dass sie ihre Krankheit nicht mehr bemerken. In diesen Fällen ist die Hilfe von Angehörigen oder guten Bekannten nötig, um sie zu einem Arztbesuch zu bewegen; dies ist oft schwierig, da die Betroffenen sich nicht eingestehen oder zugeben wollen, dass sie wirklich an einer Krankheit leiden. Problematisch kann ebenfalls sein, dass Betroffene wegen einer anderen Krankheit den Hausarzt / die Hausärztin aufsuchen, diese aber nicht hinreichende psychiatrische Kenntnisse oder Erfahrung besitzen, um eine Depression zu erkennen (allerdings muss nicht jeder missgestimmte Mensch depressiv sein).

Da nicht immer eindeutig ist, ob es sich um eine vorübergehende Missstimmung oder eine tatsächliche Depression handelt, werden bestimmte Kriterien angewandt, die in einem internationalen System – ICD-10 – festgelegt sind. Zu den Haupt-Anzeichen gehören depressive Stimmungen, Freudlosigkeit, erhöhte Ermüdung oder Interessenverlust (wann, wie oft, wie schwer). Diese Punkte werden in einem ausführlichen Arztgespräch geklärt, in dem auch andere Krankheiten sowie erbliche Veranlagung zur Sprache kommen. Wenn es dem oder der Betroffenen recht ist, werden gegebenenfalls auch Angehörige hinzugezogen. Oft kommt ein standardisierter Fragebogen zum Einsatz. Um andere Krankheiten auszuschließen, werden oft Untersuchungen des Körpers durchgeführt. Bei älteren Menschen kann die Diagnose erschwert werden, weil neben dem Depressionsverdacht andere Krankheiten stehen, z. B. Demenz. Ansonsten unterscheidet sich die Diagnose wenig von der bei Jüngeren, es sind nur mehr schwere Erfahrungen und Krankheiten zu berücksichtigen.

Von Depressionen Betroffene lassen sich heute oft gut heilen oder zumindest so weit wiederherstellen, dass die Einschränkung der Lebensqualität meist eher gering ist. Hauptverantwortlich dafür sind antidepressive Medikamente sowie Psychotherapie bzw. eine Kombination beider Elemente (dies besonders bei schweren Depressionen). Die modernen psychotherapeutischen Verfahren sowie eingeschränkt auch die Antidepressiva gehen gezielt auf die Belange der jeweiligen Erkrankung und der Lebensumstände der Betroffenen ein, sind also mit den eher allgemeinen Maßnahmen der Vergangenheit nicht zu vergleichen. Allerdings gilt die Depressionstherapie bei älteren Menschen oft nicht als optimal, weil sie mit den Therapien für andere schwere Erkrankungen zusammentrifft. Was für Sie am besten ist, sollte Ihre Ärztin / Ihr Arzt vorschlagen / entscheiden. Ohne Absprache mit ihnen sollten Sie von der vorgeschlagenen Therapie nicht abweichen. Allerdings werden bisher nur weniger als 50% der an Depressionen Erkrankten geheilt, die anderen müssen sich auf wiederkehrende oder chronische Depressionen einstellen; eine begleitende Therapie ist dann äußerst sinnvoll. Nach Möglichkeit sollte das persönliche Umfeld des / der Betroffenen in die Therapie einbezogen werden, um motivierend und unterstützend auf sie oder ihn einzuwirken. Zumindest die engere Familie oder Vertrauenspersonen sollten genau über die Schwere der Erkrankung, die Therapie, die Heilungsmöglichkeiten sowie die Prognose informiert werden, denn nur so können sie helfen. Ohnehin spielt das persönliche Umfeld von an Depression erkrankten Menschen eine wichtige Rolle für den Behandlungserfolg. Das beginnt mit der Einsicht der Angehörigen und Bekannten, dass es sich bei der Depression wirklich um eine Krankheit handelt, und setzt sich fort mit dem Einholen von Informationen, vielleicht auch bei Selbsthilfegruppen für Angehörige. Sie sollten auch die Ärztin / den Arzt befragen, wie Sie sich am besten verhalten sollten. Seien Sie zurückhaltend und einfühlsam. Aber überfordern Sie sich nicht selbst – sobald Sie Anzeichen von Überforderung bemerken, sollten Sie sich umgehend um Hilfe bemühen, auch psychotherapeutische.

Prinzipiell möglich sind sowohl ambulante als auch stationäre Therapien. Bei den Formen gibt es die Akut- und die Erhaltungstherapie (die zur Stabilisierung des bei der Akuttherapie erreichten Zustands führen soll) sowie die Wiedererkrankungs-Vorsorge, die dabei helfen soll, dass langfristig eine weitere Erkrankung vermieden wird. Welche Maßnahmen für Sie am besten sind, sollten Sie im Arzt- / Therapiegespräch klären. Dabei sollte insbesondere über eine für Sie und Ihre Erkrankung maßgeschneiderte Psychotherapie gesprochen werden – um nur einige zu nennen: die Verhaltenstherapie, kognitive Therapie, Gesprächstherapie oder die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie. Weiterhin gibt es andere Therapien, die bei bestimmten Depressionsformen angewandt werden wie z. B. die Lichttherapie, die oft bei der saisonal abhängigen Depression herangezogen wird.

Daneben gibt es noch andere unterstützende Maßnahmen, die mal mehr, mal weniger wirken, wie z. B. Sport und Bewegung. Diese und andere unterstützende Maßnahmen wirken allerdings weniger als Psychotherapie und Antidepressive, können aber motivieren.

Die Folgen unbehandelter Depressionen können fatal sein: Sie reichen im familiären und sozialen Umfeld sowie am Arbeitsplatz von Missstimmung bis zu totaler Ausgrenzung. Dies kann auch der Fall sein, wenn die Symptome längst abgeklungen sind. Alkohol-, M edikamenten- sowie Drogenmissbrauch sind dann möglich. Darüber hinaus besteht bei schweren wiederkehrenden Depressionen ein hohes Selbsttötungsrisiko.

Wenn sich Betroffene oder Angehörige mit anderen austauschen möchten, finden Sie Selbsthilfegruppen in Ihrer Umgebung auch über die Deutsche Depressionshilfe sowie die NAKOS.

Aussagekräftige und umfangreiche Informationen zum Thema Depression finden Sie auch auf den Seiten der Neurologen und Psychiater im Netz, des Gesundheitsministerium, der Max-Planck-Gesellschaft, der Gesundheitsinformation sowie der Deutschen Depressionshilfe.

Demenz

Demenz – ein Begriff, den fast jeder Mensch in Deutschland kennt, der oft mit dem Altern verbunden und manchmal fälschlicherweise nicht als Krankheit angesehen wird und mit Symptomen wie Vergesslichkeit, Konzentrations- und Orientierungsproblemen sowie Sprachstörungen verbunden ist.

Allerdings ist nicht jede kleinere Vergesslichkeit im Alter eine Demenz-Erkrankung. Mit zunehmendem Alter ist Vergesslichkeit vielmehr ebenso wie die leichte Verringerung der geistigen Fähigkeiten des Gehirns insgesamt vermehrt zu beobachten. Dies ist normalerweise nicht besorgniserregend – oft können Seniorinnen und Senioren die Defizite durch große Lebenserfahrung mehr als kompensieren.

Immer häufiger auftretende Vergesslichkeit sowie ein verstärktes Desinteresse an Familie, Hobbys, Beruf oder sozialem Leben sind aber erste Anzeichen für eine Demenz sind aber. Dann sollte die Hausärztin / der Hausarzt konsultiert oder eine Facharztpraxis aufgesucht werden. Die allermeisten Demenzerkrankungen sind heute noch nicht heilbar, lassen sich meist nur verlangsamen. Eine frühzeitige Erkennung ist wichtig, da nur so mit einer Therapie begonnen werden kann, die die Zeit für ein weiteres selbst bestimmtes Leben verlängert.

Demenz ist – abstrakt gesagt – in 90% der Fälle ein krankheitsbedingter, zunehmender Verlust zahlreicher Gehirnfunktionen. Praktisch bedeutet es, dass Kurzzeit- und später auch das Langzeitgedächtnis nachlassen (die Menschen also zunehmend vergesslich werden), die Merkfähigkeit nachlässt, Konzentrations- und Orientierungsprobleme auftreten, Sprachschwierigkeiten auftreten, die Denkfähigkeit allgemein beeinträchtigt wird, Verhaltensänderungen zum Negativen auftreten (Ängstlichkeit, Misstrauen, zunehmende Aggressivität) und vieles andere mehr. Abhängig von der Krankheitsform können sich Art, Kombination und Umfang der Beeinträchtigungen unterscheiden.

Es gibt insgesamt etwa 60 Demenzformen, darunter befinden sich allerdings nur wenige mit nennenswerten Anteilen. Man geht davon aus, dass es ca. 1,7 Mio. Demenzkranke in Deutschland gibt, jedes Jahr kommen etwa 300.000 hinzu. Bei der Alzheimer-Demenz, mit gut 60% die häufigste aller Demenzarten, sterben nach und nach zunehmend Gehirnzellen ab, die Ursachen sind bislang wenig erforscht. Die vaskuläre Demenz (ca. 15% aller Demenzen) wird primär durch Durchblutungsstörungen hervorgerufen, meist bedingt durch Arterienverkalkung. Die Heftigkeit der Demenz hängt auch von der Stärke der Durchblutungsstörungen ab. Es gibt auch Mischformen von Alzheimer- und vaskulärer Demenz. Bei der lLewy-Körperchen-Demenz gibt es Eiweißablagerungen in Gehirnzellen. Teils tritt diese Demenzform gemeinsam mit der Parkinson-Erkrankung auf. Die Anteilsangaben schwanken zwischen 5 und 15% aller Demenzformen. Bei der frontotemporalen Demenz sterben vor allem Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns ab, die in starkem Maße Emotionen und Sozialverhalten steuern. Die Krankheit beginnt häufig schon mit dem 50. Lebensjahr, nicht selten früher, und hat oft eine Persönlichkeitsveränderung zur Folge.

Die sog. sekundären Demenzen haben ähnliche Symptome wie die anderen Demenzen, entstehen aber nicht durch Veränderungen im Gehirn, sondern sind Folgen anderer Grunderkrankungen. Diese Gruppe umfasst nur zehn Prozent aller Demenzerkrankungen. Hierunter fallen z. B. chronischer Alkohol- und Medikamenten-Missbrauch, gravierender Vitaminmangel oder bestimmte Schilddrüsenerkrankungen. Unter Umständen ist die Demenz heilbar, wenn die zugehörige Grunderkrankung behoben wird. Selbst dann ist eine vollständige Heilung der Demenz sehr selten.

Demenz ist nicht nur eine Frage des Alterns. Kinderdemenz ist ein Sammelbegriff für mehr als 200 Krankheiten. Die Kinder und Jugendlichen entwickeln sich meist zunächst normal, dann beginnt ein schneller Abbau der geistigen und körperlichen Fähigkeiten bis hin zum vollständigen Verlust. Kinderdemenz ist sehr selten und wenig erforscht, die Betroffenen sterben zumeist in den ersten beiden Lebensjahrzehnten.

Eine Demenz-Erkrankung beginnt schleichend, häufig werden die ersten Anzeichen nicht erkannt oder verdrängt; zunächst wird deshalb häufig auf einen Arztbesuch verzichtet, die notwendige Behandlung verzögert sich. Fachleute gehen davon aus, dass der neurobiologische Krankheitsprozess schon mehrere Jahre vor dem Auftreten der Symptome beginnt. Oft wird der Krankheitsverlauf in unterschiedliche Stadien eingeteilt. Hier wird einer 3er-Gliederung gefolgt: Im Frühstadium ist ein selbstbestimmtes Leben zwar möglich, macht aber Mühe. Vergesslichkeit und Konzentrationsprobleme nehmen zu, bei komplexeren Dingen wie Finanzfragen wird Hilfe benötigt. Häufig treten Verhaltens- und Wesensveränderungen auf. Im mittleren Stadium ist das Alltagsleben ohne fremde Hilfe fast nicht mehr zu bewältigen. Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät häufig aus dem Fugen. Symptome wie Vergesslichkeit, Sprach- und Orientierungsprobleme nehmen drastisch zu, ebenso negatives Verhalten wie Wutausbrüche oder Misstrauen; meist ist ein

Umzug zu Verwandten oder in eine Einrichtung notwendig. Im fortgeschrittenen Stadium ist ohne Hilfe fast nichts mehr möglich: Es kann zum Versagen der Körperfunktionen kommen, vertraute Personen wie die engsten Familienangehörigen werden oft nicht mehr erkannt, ein Gespräch ist häufig kaum noch möglich. Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist gering.

Die Ursachen der Alzheimer-Demenz sowie anderer Demenzarten sind noch unklar und in vielen Bereichen nicht erforscht. Es dürfte sich nicht um eine einzelne Ursache handeln, sondern um ein Bündel von Faktoren, z. B. das Fehlen oder der Überschuss wichtiger Botenstoffe (chemische Substanzen, die der Informationsübertragung zwischen und zu den Zellen dienen), Durchblutungsstörungen sowie die Ablagerung von Eiweißpartikeln in Gehirnzellen. Wissenschaftliche Studien deuten auf Faktoren hin, die einzeln oder in unterschiedlicher Kombination das Risiko einer Demenz zumindest erhöhen. Hierzu gehören u. a. Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Übergewicht, Rauchen, Hörprobleme sowie fast alle Diabetes-Formen. Studien vermuten ebenfalls leicht risikomindernde Faktoren (es sind Faktoren, die ohnehin im Alter beherzigt werden sollten): Dazu gehören z. B. eine gute soziale Einbindung, Gedächtnisübungen, viel Bewegung oder gesunde Ernährung.

Bevor eine Diagnose gestellt werden kann, sind häufig erhebliche Hürden zu überwinden. Die Betroffenen bemerken ihre Defizite zwar, versuchen aber, sie zu überspielen, oder verdrängen sie bzw. führen sie auf andere gesundheitliche Faktoren zurück. Oft schämen sie sich, die von ihnen erkannten vermeintlichen Defizite zuzugehen. Wenn Angehörige Symptome wie erhöhte Vergesslichkeit, Sprachstörungen oder Schwierigkeiten bei sonst leicht von der Hand gehenden Hobbys beobachten, sollten sie sich ihrer Verantwortung bewusst sein und auf den Besuch einer Arztpraxis drängen. Häufig kommt es hierbei zu Konflikten.

Zum Ablauf des Diagnose-Verfahrens: Zunächst werden meist die Hausärztin oder der Hausarzt konsultiert, später erfolgt eine Überweisung in eine Facharztpraxis. In der Praxis erfolgt ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch, in dem die Symptome, andere Krankheiten, Lebens- und Familienumstände sowie sonstige Risikofaktoren abgeklärt werden. Es folgen eine Untersuchung des Körpers sowie zahlreiche Maßnahmen wie Blutentnahme, Röntgen, Computertomographie (CT) des Kopfes und ähnliches mehr. Ziel ist, Krankheiten auszuschließen, die die von dem oder der Betroffenen genannten Symptome haben (ähnliche Symptome können z. B. bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen auftreten). Andere Demenzerkrankungen müssen ebenfalls ausgeschlossen werden, da sich die Therapien häufig unterscheiden. Am Ende der Untersuchungen kann die Diagnose Demenz stehen.

Sobald der erste Schock der Diagnose Demenz verarbeitet ist, sollte mit der Zukunftsplanung begonnen werden, damit diese den Wünschen des / der Betroffenen so weit wie möglich entspricht. Dies muss auch gewährleistet sein, wenn diese nicht mehr in der Lage sind, selbständig für sich zu entscheiden. Hierfür empfiehlt es sich besonders, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und gegebenenfalls ein Testament zu erstellen. Hierfür gibt es gute kostenlose Vorlagen des Bundesjustizministeriums. In diesen kann u. a. festgelegt werden, wer die Betreuung in welchen Fragen übernehmen soll, z. B. bei den Finanzen, in Gesundheitsfragen oder der Unterbringung.

Die Behandlung von Demenz-Patientinnen und -Patienten sollte neben den Erkrankten auch die Angehörigen und Pflegenden im Auge haben. Da die Krankheit meist nicht geheilt oder gestoppt werden kann, steht bei den Betroffenen Folgendes im Vordergrund: Den Krankheitsfortschritt zu verlangsamen, die Begleiterscheinungen zu lindern sowie die Lebensqualität möglichst hoch zu halten – alles abgestimmt auf die jeweiligen Lebensumstände und Krankheitsstadien.

Eine zentrale Frage ist vor allem im Frühstadium, ob die Betroffenen offen mit ihrer Krankheit umgehen, sie nach einer Zeit akzeptieren und sich von der Familie und dem sozialen Umfeld akzeptiert, verstanden und gut aufgehoben fühlen. Das Umfeld kann hierzu einen großen Beitrag leisten. Ansonsten ist eine Psychotherapie in Erwägung zu ziehen, damit sich die Betroffenen nicht verschließen, misstrauisch oder depressiv werden oder sich ausgegrenzt oder gemobbt fühlen. Eine solche Therapie, die das Verhalten der Betroffenen zumindest im Frühstadium positiv beeinflussen kann, kommt auch den Angehörigen und Helfenden zugute.

Abhängig von den Symptomen und Stadien kann es Medikamente geben, die den Krankheitsverlauf verlangsamen. Ähnliches gilt für nicht-medikamentöse Therapien, z. B. Physio- oder Bewegungstherapie. Für Begleitsymptome kann es ebenfalls Behandlungsmöglichkeiten geben, z. B. Schmerzmittel, bei Schlafstörungen Schlafmittel bzw. bei mangelnder Beweglichkeit eine Ergotherapie. Teils kann bei der Einnahme von Medikamenten zur Verlangsamung der Krankheit eine leichte Verbesserung von Symptomen beobachtet werden, z. B. bei der Vergesslichkeit – am insgesamt weiteren Fortschreiten der Krankheit ändert sich aber nichts.

Die Gewährleistung einer guten Lebensqualität für die Erkrankten lässt sich einerseits durch verschiedene Therapie-Maßnahmen erreichen, z. B. durch Massagen, Musik- oder Kunsttherapie. Andererseits spielen das häusliche und soziale Umfeld eine große Rolle – durch fürsorgliche Betreuung, Rücksichtnahme, Akzeptanz der Bedürfnisse, Einbeziehen ins Alltagsleben (sofern noch möglich). Rücksichtnahme, Herzlichkeit und Freundlichkeit sollten von den Helfenden – darunter vielen Ehrenamtlichen – und vom Umfeld aus dem Herzen kommen. Für eine gute praktische Betreuung / einen guten Umgang gibt es daneben gute Tipps, durch die sich manchmal auch gut gemeinte Fehler im Umgang mit Demenzkranken vermeiden lassen. Gute Tipps finden Sie u. a. auf dem Online-Ratgeber-Demenz des Gesundheitsministeriums (nüchtern, praxisnah und abwägend) sowie dem Wegweiser Demenz des Familienministeriums (teils beim Versuch, Mut zu machen, etwas zu optimistisch). Manchmal sind diese Tipps aufgrund äußerer Gegebenheiten, z. B. der Zimmergröße, schwer umzusetzen.

Das familiäre / soziale Umfeld der Erkrankten braucht häufig ebenfalls Unterstützung, und zwar mit Fortschreiten der Krankheit immer mehr. Sie sollten möglichst frühzeitig die kostenlose Schulung für Angehörige demenzkranker Menschen in Anspruch nehmen und sich vielleicht rasch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige anschließen, um Ihre Probleme mit anderen zu teilen (Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe können Sie u. a. auf der Webseite der NAKOS finden). Im weiteren Verlauf sollten Sie als Hauptpflegeperson auch eine Psychotherapie in Betracht ziehen. Dies vor allem, wenn die Erkrankten unverschuldeterweise nichts mehr ohne Hilfe machen können, aggressiv und misstrauisch werden und Sie sich überfordert fühlen. Sie sollten sich gegebenenfalls nicht scheuen, die Hilfe professioneller Pflegekräfte oder Ehrenamtlicher in Anspruch zu nehmen – Sie sollten spätestens im mittleren Krankheitsstadium für die betroffene Person einen Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen. Wenn Sie einen demenzkranken Menschen in Ihrer Wohnung aufnehmen wollen, sollten Sie das gemeinsam mit Ihren Angehörigen beschließen, Sie tun sich damit selbst einen Gefallen. Dies gilt ebenfalls, wenn der Umzug in eine Einrichtung notwendig wird.

Alzheimer

Die Alzheimer-Demenz (oft auch nur als Alzheimer bezeichnet) ist mit gut 60% Anteil die mit Abstand größte Form der Demenz-Erkrankungen. Sie ist geprägt durch das fortschreitende Absterben von Nervenzellen im Gehirn und deren Verbindungen untereinander (im Laufe der Zeit schrumpft die Gehirnmasse bis zu 20%). Die Krankheit ist zwar begrenzt behandelbar, aber bislang nicht heilbar. Die Zerstörung lässt sich nicht zurückdrehen und nicht aufhalten.

Nicht jede kleinere Vergesslichkeit im Alter ist eine Demenz-Erkrankung. Mit zunehmendem Alter ist Vergesslichkeit vielmehr vermehrt zu beobachten ebenso wie die leichte Verringerung der geistigen Fähigkeiten des Gehirns insgesamt. Dies ist normalerweise nicht besorgniserregend – oft können Seniorinnen und Senioren die Defizite durch große Lebenserfahrung mehr als kompensieren. Erste Anzeichen für eine Demenz sind aber immer häufiger auftretende Vergesslichkeit sowie ein verstärktes Desinteresse an Familie, Hobbys, Beruf oder sozialem Leben. Dann sollte die Hausärztin / den Hausarzt konsultiert oder eine Facharztpraxis aufgesucht werden. Die Alzheimer-Demenz ist heute noch nicht heilbar, eine frühzeitige Erkennung ist wichtig, da nur so mit einer Therapie begonnen werden kann, die den Krankheitsfortschritt verlangsamt und die Zeit für ein weiteres selbstbestimmtes Leben verlängert.

Andere Symptome für eine Alzheimer-Demenz, die im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Kombinationen und mit zunehmender Stärke auftreten können, sind u. a. gravierende Verhaltens- und Persönlichkeitsänderung (von verstärkter Ängstlichkeit über Misstrauen bis zu großer Aggressivität), Verständnisprobleme und Wortfindungsschwierigkeiten, Konzentrationsprobleme, zunehmende Verschlechterung der Gedächtnisleistung bis zur starken Beeinträchtigung des Langzeitgedächtnisses, Depressionen oder unbegründete Euphorie sowie starke Veränderungen im Schlafrhythmus / Schlafstörungen.

Eine Demenz-Erkrankung beginnt schleichend, häufig werden die ersten Anzeichen nicht erkannt oder verdrängt; zunächst wird deshalb häufig auf einen Arztbesuch verzichtet, die notwendige Behandlung verzögert sich. Fachleute gehen davon aus, dass der neurobiologische Krankheitsprozess schon mehrere Jahre vor dem Auftreten der Symptome beginnt. Oft wird der Krankheitsverlauf in unterschiedliche Stadien eingeteilt. Hier wird einer 3er-Gliederung gefolgt: Im Frühstadium ist ein selbstbestimmtes Leben zwar möglich, macht aber Mühe. Vergesslichkeit und Konzentrationsprobleme nehmen zu, bei komplexeren Dingen wie Finanzfragen wird Hilfe benötigt. Häufig treten Verhaltens- und Wesensveränderungen auf. Im mittleren Stadium ist das Alltagsleben ohne fremde Hilfe fast nicht mehr zu bewältigen. Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät häufig aus dem Fugen. Symptome wie Vergesslichkeit, Sprach- und Orientierungsprobleme nehmen drastisch zu, ebenso negatives Verhalten wie Wutausbrüche oder Misstrauen; meist ist ein

Umzug zu Verwandten oder in eine Einrichtung notwendig. Im fortgeschrittenen Stadium ist ohne Hilfe fast nichts mehr möglich: Es kann zum Versagen der Körperfunktionen kommen, vertraute Personen wie die engsten Familienangehörigen werden oft nicht mehr erkannt, ein Gespräch ist häufig kaum noch möglich. Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist gering.

Die Ursachen der Alzheimer-Demenz sind noch unklar und in vielen Bereichen nicht erforscht. Es dürfte sich nicht um eine einzelne Ursache handeln, sondern um ein Bündel von Faktoren, z. B. das Fehlen oder der Überschuss wichtiger Botenstoffe (chemische Substanzen, die der Informationsübertragung zwischen und zu den Zellen dienen) oder Durchblutungsstörungen im Gehirn. Wissenschaftliche Studien deuten auf Faktoren hin, die einzeln oder in Kombination das Risiko einer Alzheimer-Demenz zumindest erhöhen. Hierzu gehören u. a. Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Übergewicht, Rauchen, Hörprobleme sowie fast alle Diabetes-Formen. Studien vermuten ebenfalls leicht risikomindernde Faktoren (es sind Faktoren, die ohnehin im Alter beherzigt werden sollten): Dazu gehören z. B. eine gute soziale Einbindung, Gedächtnisübungen, viel Bewegung oder eine gesunde Ernährung.

Bevor eine Diagnose gestellt werden kann, sind häufig erhebliche Hürden zu überwinden. Die Betroffenen bemerken ihre Defizite zwar, versuchen aber, sie zu überspielen, oder verdrängen sie bzw. führen sie auf andere gesundheitliche Faktoren zurück. Oft schämen sie sich, die von ihnen erkannten vermeintlichen Defizite zuzugehen. Wenn Angehörige Symptome wie erhöhte Vergesslichkeit, Sprachstörungen oder Schwierigkeiten bei sonst leicht von der Hand gehenden Hobbys beobachten, sollten sie sich ihrer Verantwortung bewusst sein und auf den Besuch einer Arztpraxis drängen. Häufig kommt es hierbei zu Konflikten.

Zum Ablauf des Diagnose-Verfahrens: Zunächst werden meist die Hausärztin oder der Hausarzt konsultiert, später erfolgt eine Überweisung in eine Facharztpraxis. In der Praxis erfolgt ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch, in dem die Symptome, andere Krankheiten, Lebens- und Familienumstände sowie sonstige Risikofaktoren abgeklärt werden. Es folgen eine Untersuchung des Körpers sowie zahlreiche Maßnahmen wie Blutentnahme, Röntgen, Computertomographie (CT) des Kopfes und ähnliches mehr. Ziel ist, Krankheiten auszuschließen, die die von dem oder der Betroffenen genannten Symptome haben (ähnliche Symptome können z. B. bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen auftreten). Andere Demenzerkrankungen müssen ebenfalls ausgeschlossen werden, da sich die Therapien häufig unterscheiden. Am Ende der Untersuchungen kann die Diagnose Demenz stehen.

Sobald der erste Schock der Diagnose Demenz verarbeitet ist, sollte mit der Zukunftsplanung begonnen werden, damit diese den Wünschen des / der Betroffenen so weit wie möglich entspricht. Dies muss auch gewährleistet sein, wenn diese nicht mehr in der Lage sind, selbständig für sich zu entscheiden. Hierfür empfiehlt es sich besonders, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und gegebenenfalls ein Testament zu erstellen. Hierfür gibt es gute kostenlose Vorlagen des Bundesjustizministeriums. In diesen kann u. a. festgelegt werden, wer die Betreuung in welchen Fragen übernehmen soll, z. B. bei den Finanzen, in Gesundheitsfragen oder der Unterbringung.

Die Behandlung von Alzheimer-Patientinnen und -Patienten sollte neben den Erkrankten auch die Angehörigen und Pflegenden im Auge haben. Da die Krankheit nicht geheilt oder gestoppt werden kann, steht bei den Betroffenen Folgendes im Vordergrund: Den Krankheitsfortschritt zu verlangsamen, die Begleiterscheinungen zu lindern sowie die Lebensqualität möglichst hoch zu halten – alles abgestimmt auf die jeweiligen Lebensumstände und Krankheitsstadien.

Eine zentrale Frage ist vor allem im Frühstadium, ob die Betroffenen offen mit ihrer Krankheit umgehen, sie nach einer Zeit akzeptieren und sich von der Familie und dem sozialen Umfeld akzeptiert, verstanden und gut aufgehoben fühlen. Das Umfeld kann hierzu einen großen Beitrag leisten. Ansonsten ist eine Psychotherapie in Erwägung zu ziehen, damit sich die Betroffenen nicht verschließen, misstrauisch oder depressiv werden oder sich ausgegrenzt oder gemobbt fühlen. Eine solche Therapie, die das Verhalten der Betroffenen zumindest im Frühstadium positiv beeinflussen kann, kommt auch den Angehörigen und Helfenden zugute.

Abhängig von den Symptomen und Stadien kann es Medikamente geben, die den Krankheitsverlauf verlangsamen. Ähnliches gilt für nicht-medikamentöse Therapien, z. B. Physio- oder Bewegungstherapie. Für Begleitsymptome kann es ebenfalls Behandlungsmöglichkeiten geben, z. B. Schmerzmittel, bei Schlafstörungen Schlafmittel bzw. bei mangelnder Beweglichkeit eine Ergotherapie. Teils kann bei der Einnahme von Medikamenten zur Verlangsamung der Krankheit eine leichte Verbesserung von Symptomen beobachtet werden, z. B. bei der Vergesslichkeit – am insgesamt weiteren Fortschreiten der Krankheit ändert sich aber nichts.

Die Gewährleistung einer guten Lebensqualität für die Erkrankten lässt sich einerseits durch verschiedene Therapie-Maßnahmen erreichen, z. B. durch Massagen, Musik- oder Kunsttherapie. Andererseits spielen das häusliche und soziale Umfeld eine große Rolle – durch fürsorgliche Betreuung, Rücksichtnahme, Akzeptanz der Bedürfnisse, Einbeziehen ins Alltagsleben (sofern noch möglich). Rücksichtnahme, Herzlichkeit und Freundlichkeit sollten von den Helfenden – darunter vielen Ehrenamtlichen – und vom Umfeld aus dem Herzen kommen. Für eine gute praktische Betreuung / einen guten Umgang gibt es daneben gute Tipps, durch die sich manchmal auch gut gemeinte Fehler im Umgang mit Demenzkranken vermeiden lassen. Gute Tipps finden Sie u. a. auf dem Online-Ratgeber-Demenz des Gesundheitsministeriums (nüchtern, praxisnah und abwägend) sowie dem Wegweiser Demenz des Familienministeriums (teils beim Versuch, Mut zu machen, etwas zu optimistisch). Manchmal sind diese Tipps aufgrund äußerer Gegebenheiten, z. B. der Zimmergröße, schwer umzusetzen.

Das familiäre / soziale Umfeld der Erkrankten braucht häufig ebenfalls Unterstützung, und zwar mit Fortschreiten der Krankheit immer mehr. Sie sollten möglichst frühzeitig die kostenlose Schulung für Angehörige demenzkranker Menschen in Anspruch nehmen und sich vielleicht rasch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige anschließen, um Ihre Probleme mit anderen zu teilen (Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe können Sie u. a. auf der Webseite der NAKOS finden). Im weiteren Verlauf sollten Sie als Hauptpflegeperson auch eine Psychotherapie in Betracht ziehen. Dies vor allem, wenn die Erkrankten unverschuldeterweise nichts mehr ohne Hilfe machen können, aggressiv und misstrauisch werden und Sie sich überfordert fühlen. Sie sollten sich gegebenenfalls nicht scheuen, die Hilfe professioneller Pflegekräfte oder Ehrenamtlicher in Anspruch zu nehmen – Sie sollten spätestens im mittleren Krankheitsstadium für die betroffene Person einen Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen. Wenn Sie einen demenzkranken Menschen in Ihrer Wohnung aufnehmen wollen, sollten Sie das gemeinsam mit Ihren Angehörigen beschließen, Sie tun sich damit selbst einen Gefallen. Dies gilt ebenfalls, wenn der Umzug in eine Einrichtung notwendig wird.

Weitere Stichworte zum Thema

Im Bereich ‚Haupt-Krankheiten‘ finden Sie neben den hier beschriebenen noch folgendes Stichwort:

  • Umfangreiche Darstellung wesentlicher Krankheiten des BMG

Auch dieses Stichwort wird ausführlich beschrieben. Sie finden dazu, wie bei allen Stichworten, kurz kommentierte Links.

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